Ankerherz auf Reisen: Schwimmen mit Orcas

Vorher denkt man an das Anfangsplanschen aus dem „Weißen Hai“ oder an die Stelle im Buch „Der Schwarm“, als Orcas die Besatzung eines Ausflugsboots zum Imbiss nehmen. Ein wenig mulmig ist einem jedenfalls, als das Zodiac in den Tysfjord hinaus rast, weit oben im kalten Norden von Norwegen. Bis die die erste Schwertflosse auftaucht.

Jetzt denkt man an gar nichts mehr.

Der Schlauchbootkapitän steuert parallel zu den Killerwalen, verlangsamt die Fahrt und schaltet schließlich den Motor aus. Unser Boot schaukelt jetzt auf den Wellen. Nur noch leises Platschen und Schreie von Möwen sind zu hören.

Endorphinschübe im Fjord

Fünf, sechs – sieben Dreiecke zerteilen das Meer: Ein Rudel Killerwale auf der Jagd. Es sind magische Momente, die zum Glück niemand an Bord zerstört, indem er kreischt oder schreit: „Ich hab’s auf Video!“, auch dafür dankbares Schweigen. Die Sonne durchbricht die Regenwolken, legt warmes Licht übers Meer und den Schnee auf den Bergen. Ein Jäger hebt seinen breiten, schwarz-weißen  Kopf aus dem Wasser und sieht uns an. Die Endorphinausschüttung läuft auf solchen Touren, das man gerne über Bord springen und eine Runde mitschwimmen möchte.

Mehr als 700 Orcas, lateinisch Orcinus Orca („Wal, der den Tod bringt“) überwintern jedes Jahr im Tyfjord, weil sie den Heringen hinter schwimmen. Kaum zu glauben, aber sechseinhalb Millionen (!) Tonnen Fisch versammeln sich hier seit 1984 und ziemlich pünktlich von Oktober bis Januar. Warum, weiß niemand. Neben den örtlichen Fischern freuen sich Walbeobachter, die Touristen in Überlebensanzüge stecken. Sogar Schnorcheltouren für ganz Mutige sind im Angebot, und man ist nun neidisch auf die Taucher, die neben dem Boot im Wasser treiben.

„Ich habe gehört, wie sie miteinander reden“, flüstert einer während einer Aufwärmpause an Bord.

Niemals erschien Natur reiner. Alles wirkt so vollkommen, dass man sich nicht mal traut, das ausgekaute Gummi gegen Seekrankheit über Bord zu spucken. Ganz klein fühlt man sich, völlig fehl am Platze; Entschuldigung, liebe Familie Orca, man möchte wirklich nicht stören. Man verliert das Gefühl für Zeit. Die Killerwale treiben einen Schwarm zusammen, Heringe springen panisch aus dem Meer, tausende Fischleiber, die im Licht zucken wie kleine Blitzlichter. Nun schlagen die Kolosse mit ihren Schwanzflossen drauf, Rumms!, Klatsch!, das Meer brodelt und als sich alles wieder beruhigt, treiben hunderte Fische als Rückenschwimmer auf den Wellen. Der Schlauchbootkapitän weist auf einen Weißkopfseeadler hin, der über uns seine Runden dreht.

Abends an der Hotelbar erzählt Per Ole, so norwegisch heißt der Kapitän, dass er in 15 Jahren noch nie so viele Orcas auf dem Fjord gesehen habe. Dankbar spendiert man ihm ein „Mack“, wie das Bier der nördlichsten Brauerei der Welt heißt. Die Knie fühlen sich noch immer ganz weich an.

aufgeschrieben von Stefan Krücken (Ankerherz), mit Fotos von Andree Kaiser.

 

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Update, September 2015: Ein youtube-Video sorgt im Netz für großes Aufsehen. Vor der Küste von San Diego werden zwei Angler spielerisch von Orcas gejagd. Die Aufnahmen erinnerten uns sofort an den Morgen von Norwegen…

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