Ankerherz exklusiv: Helgoland wird näher ans Festland geschleppt

Helgoland wird in den nächsten Monaten knapp vierzig Kilometer näher ans Festland geschleppt. Dies sieht ein Geheimplan vor, von dem Ankerherz exklusiv erfahren hat. Inselbürgermeister Jörg Singer ist es gelungen, dafür das niederländische Bergungsunternehmen zu gewinnen, das die „Ever Given“ im Suezkanal freischleppte. Der Schlick der Elbvertiefung spielt bei den Plänen eine wichtige Rolle.

Bislang liegt Helgoland weit draußen in der Deutschen Bucht. Die Fähre von Cuxhaven braucht mehr als zwei Stunden, von Bremerhaven fährt schon gar keine mehr. Das ist lästig und hat für eine touristische Insel viele Nachteile. Doch mit der Abgeschiedenheit soll bald Schluß sein: Ein spektakulärer Plan der Inselverwaltung sieht vor, die Insel knapp 40 Kilometer näher Richtung Cuxhaven zu schleppen. Was die Reisezeit auf die Insel halbieren würde.

Die Schlepper der Ever Given

Inselbürgermeister Jörg Singer ist es gelungen, die Bergungsexperten von Boskalis in den Niederlanden von den ehrgeizigen Plänen zu überzeugen. Zuletzt war es den Fachleuten gelungen, die 240.000 Tonnen schwere „Ever Given“ im Suezkanal aus dem Weg zu räumen. 18 Schlepper und mehrere Saugbagger waren dafür notwendig.

 

Im Falle von Helgoland – das etwas zehn Mal so schwer ist – rechnet Thijs van de Brocken, Leiter der Bergungsoperation bei Boskalis, mit dem Einsatz von knapp 90 Schleppern. Diese sollen aus ganz Europa zusammengezogen werden. „Wenn wir das bei dieser Ever Given geschafft haben, ist doch eine Insel ein klein Ding“, sagt van de Brocken.

Nachdem Taucher des Alfred Wegener Instituts (AWI) die Verankerungen lösen, mit denen der Rote Felsen im Meeresgrund verankert ist, wird der Operation nichts mehr im Wege stehen. Bereit im August könnten die Arbeiten beginnen, die vor der Sturmsaison im Herbst beendet sein müssen. Ein erster Schlepper ist bereits vor Ort, um mit ersten Versuchen zu beginnen (Foto).

Helgoland und der Schlick der Elbvertiefung

In den Umzugsplänen spielen ausgerechnet der Sand und Schlick aus der Elbvertiefung eine wichtige Rolle. Hunderttausende Tonnen wurden vor Helgoland in die Nordsee gekippt – zum Ärger von Umweltschützern. Doch nun zeigen sich Vorteile dieser massiven Verklappung: Die Insel wird quasi Richtung Festland rutschen können, wenn sie einmal in Bewegung ist. „Wir sprechen von einem Rampen-Effekt“, sagte ein Geologe des AWI auf Anfrage von Ankerherz.

Gefördert werden die ehrgeizigen Pläne aus Mitteln des EU-Strukturfonds. Für die Zukunftsfähigkeit von Helgoland ist es ein Jahrhundertprojekt, das nur einen Haken hat: Auf die Lange Anna wird man verzichten müssen. Bei Vor-Untersuchungen stellten die Experten fest, dass der Stein des Wahrzeichens schon zu brüchig ist und einen Umzug nicht aushalten würde.

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