Ankerherz History: Feuer auf der Fähre Lisco Gloria

8. Oktober 2010, kurz vor Mitternacht: Auf der Ro-Ro-Fähre Lisco Gloria bricht ein Feuer aus. Innerhalb kürzester Zeit breiten sich die Flammen auf dem Deck aus. Für die Seenotretter beginnt einer der dramatischsten Einsätze. 235 Menschen sind in Gefahr!

Als es brennt, befindet sich die litauische Fähre Lisco Gloria etwa sieben Seemeilen (ca. 13,5 Kilometer) nordwestlich von Fehmarn. Sie ist auf dem Weg von Kiel nach Klaipeda in Litauen. An Bord: 114 Passagiere, 89 LKW-Fahrer sowie 32 Crewmitglieder. Sieben Minuten nach Mitternacht alarmiert der Kapitän der Lisco Gloria die Seenotküstenfunkstelle der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Diese überwacht rund um die Uhr die internationalen Funknotruf-Frequenzen. Sie ist Teil der Seenotleitung Bremen, die sofort die Koordination der Rettungsaktionen beginnt.

 

Das Feuer an Bord der Lisco Gloria breitet sich innerhalb weniger Minuten über das gesamte Oberdeck aus. Nur elf Minuten nach Brandausbruch ordnet der Kapitän die vollständige Evakuierung der Fähre an. Was folgt, ist eine beispiellose Rettungsaktion: Bremen Rescue Radio alarmiert die umliegende Schifffahrt.

Wer helfen kann, macht sich auf den Weg zum Unfallort.

Lisco Gloria treibt brennend über die Ostsee

Als erstes erreicht die „Neustrelitz“, ein Schiff der Bundespolizei, den brennenden Havaristen. Die Crew der Lisco Gloria lässt Rettungsboote zu Wasser, von denen die „Neustrelitz“ die Menschen übernimmt. Als die Fähre „Deutschland“ vor Ort eintrifft, setzt die „Neustrelitz“ die Geretteten auf das größere Schiff über. Ein 16-jähriger, der es nicht rechtzeitig in ein Rettungsboot schafft, wird von der Crew eines SAR-Hubschrauber der Deutschen Marine vom Havaristen aufgewinscht. Die Schiffbrüchigen sind weitgehend unverletzt: Zwei Personen werden wegen Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus geflogen; ansonsten gibt es nur ein paar Prellungen.

Die menschenleere Fähre treibt brennend über die Ostsee. Die großen Schiffe, die zur Rettung zur Hilfe geeilt sind, sie können nichts weiter ausrichten und werden aus dem Einsatz entlassen. Das Feuer bekämpfen neben den Crews der Seenotrettungskreuzer die Besatzungender Wasser- und Schifffahrtsbehörden. Das Havariekommando in Cuxhaven übernimmt von der Seenotleitung Bremen die weitere Koordinierung. Es leitet in Absprache mit den dänischen Behörden den Einsatz auch dann weiter, als die Fähre gegen 2 Uhr morgens in dänisches Hoheitsgebiet treibt.

Feuer brennt vierzehn Tage

Das Feuer wütet indes auf nahezu der gesamten Fähre, die sich immer weiter auf die Seite legt. Zwei Männern eines Boardingteams werden von einem Hubschrauber abgesetzt. Ihnen gelingt es, die Anker fallen zu lassen, was einen weiteren Drift der brennenden Disco Gloria verhindert. Von der Reederei beauftragte Schlepper ziehen die Lisco Gloria später Richtung Langeland. Das Feuer kann erst vierzehn Tage später im dänischen Munkebo an der Pier vollständig gelöscht werden.

Die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung ermittelt in Zusammenarbeit mit litauischen Behörden die Brandursache: Offenbar ist das Feuer an einem Lastwagen mit Kühlaggregaten auf dem Oberdeck ausgebrochen. Die exakte Ursache lässt sich nicht mehr feststellen. Alle Beteiligten sind sich einig: Die moderaten Wetterverhältnisse haben ganz wesentlich dazu beigetragen, dass 235 Menschen gerettet wurden.

Die Lisco Gloria muss abgewrackt werden.

Über die Seenotretter

Die DGzRS ist zuständig für den maritimen Such- und Rettungsdienst in den deutschen Gebieten von Nord- und Ostsee. Zur Erfüllung ihrer Aufgaben hält sie rund 60 Seenotrettungskreuzer und -boote auf 55 Stationen zwischen Borkum im Westen und Usedom im Osten einsatzbereit – rund um die Uhr, bei jedem Wetter. Jahr für Jahr fahren die Seenotretter mehr als 2.000 Einsätze, koordiniert von der Seenotleitung Bremen der DGzRS (MRCC = Maritime Rescue Co-ordination Centre).

Die gesamte unabhängige und eigenverantwortliche Arbeit der Seenotretter wird ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen finanziert. Ohne Steuergelder. Seit Gründung der DGzRS 1865 haben ihre Besatzungen über 85.000 Menschen aus Seenot gerettet! Schirmherr der Seenotretter ist der Bundespräsident.

Das Buch über die Seenotretter

Wir haben den Seenotrettern mit unserem Buch Mayday ein Denkmal gesetzt. Die Retter erzählen von ihren dramatischsten Einsätzen und nehmen uns mit an Bord der Seenotrettungskreuzer. Mayday gibt es ohne Versandkosten hier bei uns im Ankerherz Buchladen.

 

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