ANKERSCHMERZ: Mein Fernsehauftritt bei 3nach9

Jeden Samstag schreibt Ankerherz-Autor Dominik Bloh eine Kolumne für die Hamburger Morgenpost. “Auf den Straßen von Hamburg” zeigt einen anderen Blick auf die Stadt. In dieser Folge aber geht es um etwas anderes: Um einen Auftritt Dominiks in der Talkshow 3nach9 des NDR.

Samstag. Ich gehe zur Bank. Der Kontostand sieht gut aus. Auszahlbar sind aber nur 20 Euro. Hat wohl wieder ein Gläubiger mein Bankkonto sperren lassen. Na gut, dann gibt’s heute nur Suppe. Ich laufe zur Reeperbahn. Die Straßen sind voll. Menschen lächeln mich an. Ich mache sogar ein Selfie mit jemandem. Ich war gestern im Fernsehen.

Dominiks Buch: “Unter Palmen aus Stahl”. Überall im Buchhandel und hier im Onlineshop.

 

Freitag. Die ganze Woche wieder nicht gewaschen. Dreckige Klamotten in verschlossenen Taschen. Eine der Sachen, die ich noch immer nicht richtig auf die Reihe kriege. Also gehe ich noch schnell los und kaufe Shirts und Socken und Boxershorts bei Kik. „Auch noch die Falschen unterstützt“, denke ich. Ich schmeiße alles in eine Tasche. Laptop. Kulturbeutel. Los.

Noch schnell zum Frisör vor 3nach9

Bevor ich zum Bahnhof fahre, springe ich noch schnell beim Friseur rein. Meine Freunde sagen schon lange, es wäre mal wieder Zeit. Heute Abend bin ich im Fernsehen, bei 3nach9. Das ist doch ein Grund.

Fernsehen ist eine andere Welt für mich. Ich beobachte erst einmal alles. Einer nach dem anderen trifft ein. Ich sitze Harald Glööckler gegenüber. Seine Ringe blenden mich. Ich glaube, das soll so. Es wird keinen Moment an diesem Abend geben, an dem ich in seine Nähe komme.

Ich spreche mit dem Unternehmer Dirk Rossmann und lerne einen intelligenten, unglaublich eloquenten Mann kennen. Es passiert mir auch nicht oft, dass ich Menschen von mir aus sieze, aber bei ihm fällt mir das Du schwer, und er erinnert mich mehr als einmal: „Dirk. Ich heiße Dirk.“

Die Frau aus der Tagesschau!

Judith Rakers sagt mir Hallo. Ich habe mich so sehr darauf gefreut, sie kennenzulernen. Das ist einer dieser unrealen Momente. Die Frau aus der Tagesschau spricht mit mir und ist auch noch total herzlich. Ich bin wirklich nervös. Sie lacht und sagt, dass ich nicht aufgeregt sein muss und sie sich um mich kümmert.

Es geht ins Studio. Von dort werden die Gäste einzeln in die Sendung geschickt. Die Ministerin Frau Klöckner kommt auf mich zu. „Sie sind Herr Möllner?“ „Nein. Mein Name ist Dominik Bloh. Schön sie kennenzulernen Frau Klöckner.“ „Ach so. Und sie sind in Hamburg geboren?“ „Nein. Ich bin in Neu-Ulm an der Donau geboren.“ Da entdecke ich ein echtes Lachen und einen gemeinsamen Nenner: Bayern.

Samstagsritual: Dominiks Kolumne in der MOPO und dazu ein Kaffee.

 

„Sie wissen aber schon, dass in diesem Land niemand wirklich obdachlos sein muss. Jeder hat Anspruch auf ein Obdach.“

Wo soll ich da anfangen? Ich entgegne ihr, dass jeder Anspruch nutzlos ist, wenn er nicht geltend gemacht werden kann.

Der schwarze Vorhang. Die Maskenbildnerin tupft noch einmal über mein Gesicht. Die Tontechnik checkt, ob ich richtig verkabelt bin. Erst einmal gucken wo ich bin. Ah okay, da vorne ist die Bühne. Hoffentlich finde ich den Weg. Viel Applaus, viele Lichter.

Ruhig bleiben. Dann geht es hinein.

Dominik Bloh, Jahrgang 1988, lebte elf Jahre lang immer wieder auf den Straßen von Hamburg. Sein Buch über sein Leben heißt: „Unter Palmen aus Stahl“,  und wurde ein SPIEGEL-Bestseller. Überall im Handel und hier im Onlineshop.

 

 

 

 

 

 

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