ANKERSCHMERZ: Ribéry, Hip-Hop und der Sound der Strasse

Jeden Samstag schreibt Ankerherz-Autor Dominik eine Kolumne für die Hamburger Morgenpost. Diesmal geht es um Hip-Hop, den Sound der Straße und Franck Ribéry.

Was haben viele Schüler mit Franck Ribéry gemeinsam? Trikot und Trainigsanzug gehören zum Look, und da ist noch etwas. Die Kids pumpen auf dem Schulhof die neuesten Rap Songs. Franck Ribéry in der Kabine. Hip-Hop ist überall. Und damit auch die rohe Sprache der Straße.

Reim eine Zeile über „Mutter ficken“ und lande damit in den Charts. Das rappt Maxwell von der 187 Straßenband in ihrem neuen Track „Haifischnikez“. Ich sitze auf dem Schulterblatt. Da steht der Wagen der Jungs vor Haus 73. Es ist bunt und sieht aus wie die Air Max, „Haifisch Style“.

Ribéry klingt wie der Schulhof

In ihrem neuen Song stellen sie ihren eigenen Turnschuh vor. Die 187 Straßenbande und der Sportartikelkonzern Nike kollaborieren jetzt. Mit „Mütter ficken“ schafft man es also auch zur eigenen Air Max Schuhlinie. Dafür gibt es viel Geld. Für die Jungs muss das ein Traum sein. Ich gönne ihnen das.

Schon früher sind wir in der Schule in den Schuhen unserer Idole gelaufen, seien es Jordans oder G-Unit Sneaker. Die Zielgruppe sind vor allem junge Menschen, die sich einfach beeinflussen lassen.

Hip-Hop hat mich geprägt. Es hat mich definitiv beeinflusst. Aufgrund mancher Texte habe ich Scheiße gebaut. Hip-Hop war mein Vater, weil meiner nicht da war. Hip-Hop war mein Lehrer, weil ich meinen Lehrern nicht zuhören wollte. Hip-Hop bot Identifikation. Noch heute sage ich, ich bin Hip-Hop.

187 Straßenbande und Helene Fischer

Dabei gab es in Ende der 90er und Anfang der 2000er noch keinen Rap bei uns, der mit dem Gangsta-Rap in den Staaten vergleichbar war. Seit Aggro Berlin ist das anders. Damit auch zum ersten Mal die Möglichkeit, die Texte zu verstehen. Damit kam ein ganz neuer Bezug zum Hörer. Die Klamotten, die Bushido und Sido trugen, konnte man hier kaufen.

Die erste Welle hat meine Freunde und mich aus den Southpole Baggy Jeans (die wir bis zu den Knien trugen) und viel zu langen XXXL T-Shirts herausgebracht. Danach trugen wir enge G-Star Hosen und Bomberjacken. So ging das los. Rap war schon immer einer der größten „Influencer“, wie das heute heißt.

Hip-Hop war mein Lehrer

Heute hat Rap nicht nur den Mainstream erreicht, er reguliert ihn und stellt den ganzen Markt auf den Kopf. In Österreich wurden die Regeln für die Charts geändert, weil „Bonez Mc“ und „Raf Camora“ mit ihrem Album zu erfolgreich waren. Sonst ist in Deutschland nur einer im Geschäft so erfolgreich wie die beiden. Sie spielen in den größten Hallen, die man bespielen kann. Die einzige Marke, die in der Industrie heranreicht, ist Helene Fischer. Sonst ist da nichts mehr.

Die Eltern sitzen im Wohnzimmer sitzen und schauen Helene Fischer im Fernsehen, während die Jugendlichen im Kinderzimmer Gangster Rap streamen. Irgendwie verrückt.

Dominik Bloh, Jahrgang 1988, lebte elf Jahre lang immer wieder auf den Straßen von Hamburg. Sein Buch über sein Leben heißt: „Unter Palmen aus Stahl“,  und wurde ein SPIEGEL-Bestseller. Überall im Handel und HIER im Onlineshop erhältlich.

 

 

 

 

 

 

 

 

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