ANKERSCHMERZ, Straßengeschichten: Fünf Sterne Helgoland

Ich kenne die Straßen von Hamburg. Lange habe ich keine anderen gesehen. Momentan komme ich rum, durch die Aufmerksamkeit für mein Buch „Unter Palmen aus Stahl“. Ankunft in Baden-Baden, als Gast einer Talkshow im SWR Fernsehen. Ich checke zum ersten Mal in meinem Leben in einem Fünf-Sterne-Hotel ein. Mein „Zimmer“ hat mehrere Räume und ist größer als meine Wohnung in Hamburg.

Ich gucke alles an, mache die Türen der Schränke und die Minibar auf. Das Bad ist aus Marmor mit einer riesigen Wanne. Erst einmal Handy raus und Bilder machen. Genau so im Schlafzimmer. Aus dem hintersten Winkel des Raumes schieße ich ein Photo, es soll ja alles mit drauf sein, die Möbel und der Plasmafernseher. Wieder ins Bad, und Kamera drauf. Ich schaue in den Spiegel und muss lachen, weil ich mir witzig blöd vorkomme.

Fünf Sterne Helgoland

Ich entscheide, eine rauchen zu gehen. Ich stehe auf dem Balkon und erst hier fange ich an meine Umgebung richtig wahrzunehmen. Ich sehe in ein kleines Waldstück hinein, das auf einem Hügel gelegen ist. Ich lausche und höre einen Bach, der sanft fließt. ich höre viele Vögel singen und zwitschern. In der Stadt ist es laut und hektisch, hier ist es so leise und friedlich. Ich höre täglich das heulen der Sirenen, den Baustellen Lärm und den ständigen Verkehr. Ich komme zur Ruhe. Durchatmen tut so gut.

Ein paar Tage später fahre ich mit der Fähre nach Helgoland. Eine Lesung in der Nordseehalle, eine Veranstaltung vor einer Schulklasse und ein Besuch im Studio von Radio Ankerherz stehen an. Mit Jugendlichen rede ich besonders gerne. Ich will ihnen sagen, dass sie nicht dieselben Fehler machen sollen wie ich. Sie sind unsere Zukunft.

Auf der Insel Helgoland

Auf der Insel gibt es tatsächlich auch eine „Große Freiheit“. Ich mag die Seeluft. Vom Bett im Hotelzimmer aus habe ich das Meer sehen können. Die Nacht war schwarz und nur das Feuer des Leuchtturms und die blinkenden Lichter draußen auf See waren zu erkennen. Das Fenster habe ich weit offen gelassen, um mit dem Geräusch der Wellen einzuschlafen. Es war schön auf Helgoland.

Jetzt sitze ich auf der Fähre, die über die Nordsee Richtung Cuxhaven fährt. Ich gucke in die Ferne und schreibe meine Kolumne. Mir gefällt es, was anderes zu sehen und mal rauszukommen aus der Stadt. Mein Weg führt mich aber stets zurück. Hamburg ist wie ein innerer Kompass. In ein paar Stunden fahre ich wieder über die Elbbrücken, werde aus dem Fenster blicken und denken: Ich bin Zuhause. So ist es jedes Mal, wenn ich wieder reinfahre.

Hamburg, du bist meine Stadt.

Dominik Bloh, Jahrgang 1988, lebte elf Jahre lang immer wieder auf den Straßen von Hamburg. Gerade erschien sein Buch darüber: „Unter Palmen aus Stahl“, überall im Handel und hier im Online Shop.

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