Baltrum-CDU fordert Austritt aus dem Nationalpark Wattenmeer

Auf den ersten Blick liest es sich wie eine Satire-Meldung. Doch die CDU-Ortsgruppe Baltrum meint es Ernst: Sie schlägt vor, dass ihre Insel aus dem Nationalpark Niedersächsischen Wattenmeer „aussteigt“. Nutzungen durch Tourismus und Insulanern vertrügen sich nicht mit dem Schutzziel eines Nationalparks, so die Begründung.

Im Kern scheint es dabei um einen Streit über die Jagd zu gehen. Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinsast (CDU) hatte die Verträge über die Jagd im Wattenmeer verlängert. Das Umweltministerium fühlte sich übergangen. Grüne und Naturschützer wie der BUND fordern, dass die Jagd auf Watt- und Wasservögel sofort verboten wird. Es sei „unverständlich und schockierend“, dass an dieser wichtigen Vogelzugroute gejagt werde.

Baltrum-CDU: Austritt aus dem Nationalpark

Jann Bengen, Baltrumer CDU-Ratsherr und Sprecher der Inseljägerschaft, wirft der Landregierung nach einem NDR-Bericht vor, die Rechte der Jäger immer weiter zu beschränken. Sie müssten dafür sorgen, dass erkrankte Robben am Strand getötet werden und die Kaninchenpopulation auf der Insel reguliert wird. Vorschlag des CDU-Ortsverbandes: Baltrum soll ein „Naturpark“ werden. Mit weit weniger strengen Naturschutz-Regeln. In der nächsten Ratssitzung am 15. Oktober soll der Vorstoß diskutiert werden.

Aus Sicht von Ankerherz stellt sich die Frage: Wie tritt man eigentlich aus einem Nationalpark aus? Unseres Wissens handelt es sich dabei um Bundesvorgaben, geregelt im Bundesnaturschutzgesetz. Die UNESCO, Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation, hat das deutsche und niederländische Wattenmeer im Juni 2009 in die Liste des Welterbes aufgenommen. Dabei handelt es sich um ein Gebiet von rund 11.500 Quadratkilometern entlang der Küste, mit einer Länge von etwa 500 Kilometern. Das Wattenmeer steht schon seit mehr als einer Generation unter Schutz. Für den Tourismus der Inseln eine starke Einnahmequelle. Es ist übrigens nicht der erste Vorschlag von Baltrum, der eine bizarre Note hat. Vor einem Jahr hatte der Bürgermeister vorgeschlagen, eine Seilbahn (!) vom Festland auf die Insel zu bauen.

Die kleinste der ostfriesischen Inseln: Baltrum aus der Luft.

 

Auf der Nachbarinsel Langeoog stößt der Vorschlag vom Austritt aus dem Nationalpark entsprechend für Unverständnis. „Die Idee ist falsch und beinahe skurril“, sagt Uwe Garrels, Bürgermeister von Langeoog im Gespräch mit Radio Ankerherz. „Der Nationalpark ist im Interesse unserer Inseln. Wir haben eine hervorragende Naturqualität.“ Er sieht im Alltag auch keine Probleme, die nicht durch bestehende Verordnungen gelöst werden können. „Die Wattenlandschaft ist uns geschenkt worden.“

Wir haben auch versucht, CDU-Ratsherr Jann Bengen, einen Hotelier, zu einer Stellungnahme zu erreichen. Das ging nicht.

Kein Scherz: Er war auf der Jagd.

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