CHRIS STAPLETON: Der Mann, der den Country rettet

 

“I’m just a traveller on this earth
Sure as my heart’s behind the pocket of my shirt
I’ll just keep rolling till I’m in the dirt
‘Cause I’m a traveller, oh, I’m a traveller”

 

Manche Lieder sind wie eine Fahrt über einen Highway an einem heißen Sommertag. Die Scheiben runtergedreht, den Geruch des Asphalts und von Sand und Hitze im Wagen, dazu ein Song im Radio. Ein Gefühl, dass die Welt kurz still steht und alles Eckige wieder rund läuft. Als ich das Erste mal „Traveller“ von Chris Stapleton hörte, dachte ich an eine Reise von Las Vegas nach Phoenix, Arizona.

Dann höre ich dieses Album, wieder und immer wieder, und lese im Netz, dass Stapleton das Lied tatsächlich auf einer langen Autofahrt schrieb, auf der Interstate 40 von Phoenix, Arizona, durch New Mexiko nach Nashville. Sein Vater, Kumpel in einer Kohlenmine von Kentucky, war gestorben, und er brauchte eine Auszeit von Allem.

Stapleton Mojo Hamburg

 

Ich mag Superlative nicht. Mir ist zu viel Getöse und zu viel Hype in der Welt der Sozialen Medien, doch im Falle von Chris Stapleton gibt es gar keine Worte, die groß genug sein können. Stapleton, 37, der Mann mit dem Zauselbart, wurde in den vergangenen Wochen mit allen Preisen inklusive des „Grammys“ überhäuft (er trat zur Vergabe mit Justin Timberlake auf und sang ihn fast von der Bühne) und mit einer Million verkauften „Traveller“ belohnt. Völlig zu Recht, denn, wie soll man es anderes sagen, er rettet gerade die Country-Musik.

Das Herz war so tot wie Johnny Cash

Man muss das erklären. Country im Stile von Johnny Cash, einer Stimme der Leute, mit Kraft und voller kleinen Weisheiten und dem Appell durchzuhalten, egal was geschieht. Daraus entwickelte eine seltsame Musikgattung zwischen Fahrstuhlgeplänkel und Pop-Orgel, der Soundtrack für Amerikas Vorstädte, in denen jeder Vorgarten gleich aussieht, die in der schmalzigen Soße von Plastik-Bands wie „Lady Antebellum“ ihren Tiefpunkt erreichte. Das Herz des Country war so tot wie Cash.

Stapleton ist dabei, dies radikal zu ändern, und mit ihm eine neue Generation. Jason Isbell und Sturgill Simpson gehören dazu. Stapleton singt so rau und so intensiv und eindringlich, dass es einen beim Konzert im Hamburger „Mojo“ an manchen Stellen erschaudern lässt. Seine Lieder haben eine Intensität, die man sonst nur noch selten spürt – das Duett mit seiner Frau Morgane, ebenfalls Country-Künstlerin, mit der er zwei Kinder hat, erinnert einen an die heilige Kombination Johnny Cash & June Carter. Dass Stapleton Songs schreiben kann, wussten in der Musikindustrie viele: Er komponierte sechs Nummer-Eins-Hits für namhafte Künstler.

Jetzt hört ihn die ganze Welt.

 

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