Aufregung auf den Inseln: Großfrachter verliert 270 Container im Sturm

Einer der größten Frachter der Welt hat im Sturm auf der Nordsee mehr als 270 Container verloren. Einige Stahlkisten wurden bereits an den Stränden angetrieben. Besonders Strandabschnitte auf Vlieland sind stark verschmutzt. Was Strandgutsucher freut, bereitet den Behörden Sorgen.

Wir sind aktuell auf der Insel Ameland, um zwischen den Jahren ein wenig am Meer auszuspannen. Als wir am Strand spazieren gingen, wunderten wir uns über Autos, die mit hohem Tempo über den Sand fuhren. Eben meldete ein Radiosender: 21 Container wurden auf der Insel Vlieland, auf Terschelling und auf Ameland angespült. Auf den Inseln, in denen seit Jahrhunderten „Jutter“ unterwegs sind, also Strandgutsammler, eine Art Feiertag.

Auf Fotos, die in den Sozialen Medien kursieren, ist jemand mit einem Flatscreen-TV zu sehen. Andere Aufnahmen zeigen Autoteile, Reifen, Körbe, Sandalen, Vliesdecken, Lattenroste und Unmengen von Glühbirnen. Auch eine Ladung Sitze für ein Fußballstadion in darunter. “Alles, was Autofahren kann, ist am Jutten”, schreibt ein Nutzer auf Twitter.

Insgesamt mehr als 270 Container verloren

Rechtlich gehört der Inhalt der Container den Absendern. Die Küstenwache weist aber darauf hin, dass es den Gemeinden der Inseln obliegt, Strandräuberei zu unterbinden. Die Gemeinden sehen das anscheinend ein wenig anders: Sie sind froh, dass jemand das angespülte Zeug mitnimmt. Gerade auf Vlieland scheint jede Menge angetrieben zu sein. „Wir sind froh um jeden Insulaner, der die Sachen mitnimmt“, sagt die Bürgermeisterin von Vlieland einer lokalen News-Seite. „Dann brauchen wir den Strand nicht mehr aufräumen.“ Besonders die Glühbirnen bereiten den Verantwortlichen Sorgen.

Die Container stammen vom 396 Meter langen Großcontainerschiff MSC Zoe, das die Stahlkisten auf dem Weg von Antwerpen nach Bremerhaven im Sturm verlor. Weil sich das Unglück in deutschen Hoheitsgewässern ereignete, hat das Havariekommando in Cuxhaven in enger Absprache mit der niederländischen Küstenwache die Lage übernommen.

Container sind Gefahr für kleinere Schiffe

Grade für kleinere Schiffe, Fischkutter und Yachten sind die im Wasser treibenden Container eine Gefahr. Zusätzlich zum Ölüberwachungsflugzeug Do 228 überfliegt ein Hubschrauber der Bundespolizei das Seegebiet nordwestlich von Borkum und sucht nach Containern und treibender Ladung. Das Mehrzweckschiff Neuwerk und der Tonnenleger Gustav Meyer befinden sich ebenfalls im Einsatzgebiet. In mindestens einem Container befindet sich Gefahrgut. Dabei handelt es sich um Dibenzoylperoxid, das beispielsweise in der Kunststoffproduktion eingesetzt wird. Ein gelber, ein blauer und rostbrauner Container sollten ebenfalls unter keinen Umständen geöffnet werden.

Havariekommando mit aufregendem Jahresstart

Die Unfallursache ermittelt nun die Wasserschutzpolizei Wilhelmshaven. Als vor einigen Monaten eine größere Menge Container im Sturm auf der Nordsee über Bord ging, sprach Kapitän Manfred Schleiff, ein sehr erfahrener Seemann, von „Nachlässigkeiten beim Laschen“ im Bordalltag.

Für das Cuxhavener Havariekommando war es ein aufregender und arbeitsreicher Jahresbeginn. Mehrere Schiffe meldeten in schwerer See Maschinenprobleme. Das Frachtschiff MS Palmerton (133 Meter lang, 23 Meter breit) meldete einen Maschinenausfall. Mit ausgebrachten Ankern trieb es auf Tiefwasserreede. Ein neues Boardingteam, das seit dem 1. Januar 2019 in Nordholz stationiert ist, war gleich im Einsatz. Inzwischen hat die MS Palmerton ihre Reise von Hamburg nach Portland (England) forsetzen können. Auch der Frachter Mekhanik Kottsov (Maschinenproblem) und die MSC Vigo, die mit ausgebrachtem Anker von der Neue-Weser-Nord-Reede Richtung Süden trieb, sind wieder unterwegs zu ihren nächsten Zielhäfen.

 

Hinweis: In der ersten Fassung war von Maschinenproblemen der MSC Vigo die Rede. Es gab aber ein Problem beim Aufholen des Ankers. Wir haben dies berichtigt.

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