DEEPWATER HORIZON: Helden auf brennender See

Alles beginnt mit echten Tonprotokollen aus einem Gerichtssaal, und es endet in einem Feuerwerk, das die Kinoleinwand brennen lässt. Damit lässt sich Deepwater Horizon in einem Satz zusammenfassen: Das Besondere ist die Intensität, die aus einer Mischung aus Dokumentation und Popcorn-Unterhaltung entsteht. Es fühlt sich in Teilen an wie ein Beitrag des „Discovery Channel“, in dem die besten Pyrotechniker Hollywoods das größtmögliche Inferno abfackeln.

Ich bin sicher, dass der Film manchem pathetisch erscheinen wird, denn es geht um Helden. Um die Frage, wie sich Menschen verhalten, wenn sie von einer Katastrophe überrascht werden:

Wachsen sie über sich hinaus? Verzagen Sie?

Die Katastrophe: Am 20. April 2010 kommt es auf der Bohrplattform Deepwater Horizon, 70 Kilometer vor der US-Küste im Golf von Mexiko zu einem sogenannten „Blowout“. Gas und Öl schießen unkontrollierbar an die Oberfläche. 11 Arbeiter sterben in einer gewaltigen Explosion, Millionen Tonnen Öl strömen anschließend monatelang ins Meer – die Folgen für die Umwelt sind verheerend.

Deepwater Horizon: Gier führt zum Unglück

Gier führte zum Unglück, das mehrfach hätte verhindert werden können. Der Ölkonzern BP hatte die Deepwater Horizon gemietet, um ein Ölfeld mit einer Bohrung in den Meeresboden zu erkunden. Die Arbeiten waren in Verzug und lagen sechs Wochen hinter dem Zeitplan; jeder Tag kostete den Konzern eine halbe Million Dollar, weshalb das Management das Tempo forcierte. Auf Kosten der Sicherheit.

Genaue Recherche, das spürt man, liegt diesem Film zugrunde: Die Drehbuchautoren Matthew Sand und Michael Carnahan haben die Fakten zusammengetragen, aus dem Regisseur Peter Berg einen Blockbuster baut. In den Hauptrollen leisten die Darsteller Großes: John Malkovich spielt den umheimlichen BP-Manager, der die Crew der Deepwater Horizon unter Druck setzt und alle Warnungen mit fiesem Lächeln ignoriert, mit großer Intensität. Vermutlich könnte Malkovich auch einen Bohrkopf mimen, und man würde es gerne sehen. Kurt Russell, der ergraute Action-Held mit zerknittertem Gesicht, ist die Idealbesetzung für „Mister Jimmy“, den knurrigen Vorarbeiter.

Die wichtigste Figur, Ingenieur und Chef-Elektroniker Mike Williams wird gespielt von Mark Wahlberg. An Wahlberg scheiden sich meistens die Geister und manche Kritiker machen sich über ihn lustig. Ich sehe ihn gerne und bin zugegebenermaßen etwas voreingenommen: Nach der Premiere von „Pain & Gain“ (ein furchbarer Film) in New York habe ich ihn beim Bier kurz kennengelernt: sympathischer, bodenständiger Typ. Den Vorwurf, dass er mit einem Gesichtsausdruck durch jeden Film kommt, muss man spätestens nach der Schluss-Szene im Hotelzimmer streichen.

Wer die letzte Viertelstunde sieht, in der es kracht und zischt und alles explodiert, der wundert sich, dass nicht mehr der 120 Arbeiter in der Nacht des 20. April 2010 starben. Emotionaler Höhepunkt von Deepwater Horizon ist der Moment, in dem die Überlebenden zum gemeinsamen Gebet niederknien.

Und der Abspann – die letzten Sekunden auf der Leinwand zeigen Fotos der getöteten Arbeiter.

 

Stefan Kruecken, Jahrgang 1975, leitet mit seiner Frau Julia den von Ihnen gegründeten Ankerherz Verlag.

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