Die Horror-Möwe von Cuxhaven

Ich schlendere am Wochenende an der Pier der „Alten Liebe“ in Cuxhaven vorbei und entdecke eine Fischbrötchen-Bude. Einen dieser fahrenden Stände, die immer von einer Frittenfettwolke umgeben sind und die zum Norden gehören wie das „Moin“ und die Wellen. Während die Frau hinter dem Tresen das Brötchen frisch belegt und zum Kühlschrank geht, um das obligatorische Hafenpils zu holen, fällt mein Blick auf ein Schild.

Handschriftlich, eine Menge Ausrufezeichen, Alarm:

„Achtung!!! Bloß nicht die Möwe füttern!!!!“

„Aha“, denke ich, „ist das nicht ein wenig übertrieben?“ Mit Matjes und Pils setze ich mich auf eine Bank in der Nähe. Es dauert eine Minute, bis ein weißer Kopf über den Fischbrötchenstand lugt. Ein Augenpaar fixiert das Brötchen, und dann geht es los: Die Horror-Möwe von Cuxhaven ist gelandet.

cux

Ich bewege mich seit vielen Jahren an der Küste, am Strand, in Häfen, überall. Ich habe auch überall Fischbrötchen gegessen und ja: manchmal ging mir eine aufdringliche Möwe auf den Zeiger. Bei einem Fotoshooting auf Norderney wurde unsere kleine Tochter von einem besonders fiesen Exemplar in den Finger gepickt. Aber eine Ausgabe wie die Horror-Möwe in Cuxhaven habe ich noch nirgendwo erlebt.

Diese Möwe ist der Donald Trump unter dem Meeresgefieder: aggressiv und rücksichtslos. Zuerst tapst sie heran, bis auf drei Zentimeter und bleibt seelenruhig stehen. Aufscheuchen? Groß machen? „Kschhhhschhschchhshschhhsh“ rufen und mit den Armen rudern? Sie sieht einen mit einem gelangweilten Ausdruck an und versucht, mir ins Schienbein zu picken. Es geht um das Eintreiben von Schutzfisch.

„Diese Bank, Baby, gehört mir“, will die Möwe sagen. „Matjes her!“

Die Horror-Möwe von Cuxhaven

Das sehe ich nicht ein, und nun beginnt ein Tanz der besonderen Art. Immer wieder greift die Möwe an. Zu Fuß, aus der Luft, mal kommt sie von der Seite, mal im Sturzflug von oben. Immer dann, wenn man denkt: „Danke, Arsch, das war´s“ und sich wieder dem Fischbrötchen widmet, setzt sie zum Angriff an. Offenbar ist das Tier gewohnt, A) gefüttert zu werden oder B) irgendwann den Fisch abzustauben, wenn Leute in Panik davon laufen. Es wird der umentspannteste Verzehr eines Fischbrötchens, an den ich mich erinnern kann. Einmal verschlucke ich mich, als ich nach einem Ausweichschritt das Gleichwicht verliere, und am Ende kippe ich das Bier um. (Es gibt leider nur dieses eine Foto – ich hatte alle Hände voll zu tun).

Liebe Leute in Cuxhaven: Herzlichen Dank an Alle, die diese Möwe immer wieder gefüttert haben.

Dies ist aber alles nichts gegen Bilder aus dem britischen „Whitby“ in North Yorkshire, England. Was dort auf der Pier geschah, erinnert an Aufnahmen aus dem aus dem Hitchcock-Thriller „Die Vögel“:  Möwen attackieren einen Hobby-Fotografen und Spaziergänger. Die Aufnahmen, die Alex Newsome schießt, zeigen, wie aggressiv die gefiederten Hooligans sind.

Also bitte, dran denken: Möwen füttern ist eine schöne Sache. Aber nicht für jene, die danach kommen.

Alle Fotos: Alex Newsome/Daily Mail

Deutlich entspannter ist unsere Möwe – die Indian Seagull. Den Kapuzenpullover gibt es hier bei uns um Shop.

 

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