KAPITÄN SCHMIDT: “Entartete Kunst” in Dresden

„Ihr wollt die ganze Zeit für eure Rechte oder für die abendländischen, christlichen Werte kämpfen. Schämt euch, denn ihr macht es nicht. Ihr habt nicht einmal dem Pfarrer erlaubt zu sprechen. Jeder darf hier seine Meinung sagen. Auch ihr. Aber man macht das mit Kultur und man sagt das gesittet.“

Manaf Halbouni, Künstler, Dresdner Monument

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In Dresden wurde das Kunstwerk „Monument“ vor der Frauenkirche eingeweiht. Drei hochgestellte Busse erinnern bis Anfang April an ein Kriegsszenario in Aleppo, mit dem sich die Bewohner vor Scharfschützen schützen. Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (parteilos) erhielt danach Morddrohungen und steht unter Polizeischutz. PEGIDA-Anhänger und AfD protestieren vehement. Zur Eröffnung kam es zu tumultartigen Szenen; einhundert Polizisten mussten die Veranstaltung sichern. Begriffe wie „Schrott“ und „Missbrauch der Kunstfreiheit“ stehen im Raum.

Ich warte noch darauf, dass von „entarteter Kunst“ die Rede ist, dies würde zum sonstigen Sprachgebrauch der AfD, von Höcke & Co. passen. Bei der Demonstration der PEGIDA fielen diese Begriffe.

„Mit einer Menge, die gekommen ist, um zu hetzen, zu stören, zu pfeiffen und den Oberbürgermeister als Volksverräter zu beschimpfen, mit der kann man nicht reden.“

Frank Richter Geschäftsführer der Stiftung Frauenkirche

 

(Dieses Video stammt vom Tag der Deutschen Einheit. Es zeigt die Stimmung, die diese Demonstranten mitbringen: Drohgebärden, Zeigefinger, Beschimpfungen.)

 

„Erschreckend“ nennt der Dresdner Oberbürgermeister die Reaktionen und den Hass, der ihm entgegenschlägt. Ja, es ist erschreckend. Ein Video zeigt Sachsen Minister Martin Dulig (SPD), der versucht, mit einer PEGIDA-Demonstrantin in einen Dialog zu kommen. Es ist nicht möglich. Sie geifert, sie keift, die wettert „gegen die Obersten“, die „Lügenpresse“, es sei alles „abartig“. Ein Gespräch mit ihr ist unmöglich.

Dresdner Monument: “Entartete Kunst”.

Man spürt eine unglaubliche Wut, sie „zittert“, mit einem feinen Mantel. Man sieht dieses Video und fragt sich: Wo kommt diese Wut her? Diese Aggression? Diese Missachtung simpelster Grundverhaltensweisen?

Ich bewundere, dass Dulig so ruhig blieb. Es ist, wie er verzweifelt anmerkt: Diese Frau will gar nicht reden. Sie will nur ihren Müll abladen.

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Wir leben in einem Rechtsstaat. Der muss nun arbeiten.

Es wird Zeit, diese Menschen daran zu erinnern, dass dies unser Land ist. Das Land des Grundgesetzes, in dem unsere freiheitlichen Grundwerte verankert sind.

Es wird Zeit, diese Menschen daran zu erinnern, dass Beleidigungen, Bedrohungen und Angriffe jeder Art strafbar sind und Konsequenzen haben werden.

Es ist ein gutes Zeichen, dass nun ein Facebook-Hetzer aus Ingolstadt für fünf Monate ins Gefängnis muss. Weitere Fälle sollten und werden folgen. Ich lasse mir Beleidigungen übelster Art jedenfalls nicht gefallen und wünsche mir, dass viele andere auch so handeln.

 

(Redaktion: Stefan Kruecken)

KAPITÄN STEFAN SCHMIDT, Jahrgang 1942, fuhr viele Jahre zur See und war Leiter der Seefahrtsschule auf Tuvalu. 2004 rettete er Flüchtlinge aus dem Mittelmeer, wurde deshalb angeklagt und ging dafür fast in den Knast. Seit fünf Jahren ist er Zuwanderungsbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein. Er lebt in Lübeck. Im Ankerherz Blog und auf seiner Facebook-Seite berichtet er von seinem Leben und seiner Arbeit.

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