Email an Ankerherz: Mein Papa, Matrose vor Kap Hoorn

Über die Sozialen Medien wird oft und zurecht geschimpft. Doch es gibt auch Lichtblicke, die zeigen, wie schön der Austausch auf Plattformen wie Facebook, Instagram und Co. sein kann. Über unsere Facebook-Seite erreicht uns folgende Nachricht, die uns Karl-Heinz Thunemann schickt. Wir haben uns sehr darüber gefreut! Hier ist sie.

„Mit großem Spass, Interesse und Zustimmung verfolge ich euch auf Facebook, eure Bücher über die Seefahrt, Kapitäne etc. und vor allem eure politisch „klare Kante“. Ich möchte eurer Empfehlung folgen und habe eine Geschichte über meinen Vater hinzugefügt, die Ihr bei Interesse gerne in der Community veröffentlichen könnt.

Mein Vater, 1920 in Rheydt-Odenkirchen geboren, verließ den elterlichen Betrieb, ging nach Hamburg und fuhr von 1936 bis 1939 dreimal nach Chile mit dem Laeisz-Segler „Priwall“, rund Kap Horn (Anm.: Seht hierzu das Ankerherz Buch „Sturmkap„). 2008 war er im Hospiz. Ich stellte ihm eine Frage.

„Papa, wenn ich dich jetzt irgendwo hinbeamen könnte, wo würdest du hinwollen?“

Seine Antwort, ohne zu zögern: „Concepcion in Chile“.

Ich recherchierte eine Menge an Informationen und nahm Kontakt auf mit seinen noch lebenden Bekannten. Eine Idee wurde immer konkreter. Von einem Seminar zurück aus Mailand landete mein Flieger gegen 23 Uhr in Köln/Bonn.

Ich müsste meinem aufsteigenden Vater während der Landung eigentlich begegnet sein, denn zuhause erreichte mich die Nachricht von seinem Tod in dieser Nacht.

Asche vor Kap Hoorn

Ich folgte meines Vaters Spuren nach Chile, traf in Santiago seine frühere chilenische Geliebte im Alter von 92 Jahren. Auch einige Mitglieder der nachfolgenden Generation im Haus seiner Bekannten in Concepcion – was für ein emotionales Treffen.

Einen Teil seiner Asche habe ich auf Kap Horn verstreut.

Seinen ehemaligen Kapitän Jürgen Jürs habe ich im Saal der Cap Horniers im Marinemuseum in Valparaiso wiedergetroffen. 2014 habe ich auf einer zweiten Reise nach Chile neben der Atacamawüste noch die Städte Antofagasta und Iquique besucht, die mein Vater ebenfalls auf der „Priwall“ angelaufen hatte, um Salpeter und Guano nach Deutschland zu bringen.

Auf der Priwall um das Sturmkap

Das i-Tüpfelchen war dann abschließend eine Reise mit der Kruzenshtern von Amsterdam nach Monte Carlo – was das Verständnis für die frühere Salpeter-Schifffahrt noch stärker vertieft hat. Das Foto zeigt meinen Vater im Garten des Hauses seiner Bekannten in Concepcion.“

Wir danken Karl-Heinz Thunemann für diese Zeilen! An Bord der „Priwall“ und vor Kap Hoorn spielt die Geschichte von Kapitän Jürgens in unserem Buch Sturmkap. Das Ebook (Hardcover ist vergriffen und wird aktuell neu bearbeitet) gibt es u.a. auf dieser Seite. Seht Euch dieses Video an.

 

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