Erster weiblicher Steuermann der britischen Seenotretter ernannt

Das ist in Novum in der fast 200jährigen Geschichte der britischen Seenotretter der RNLI. Zum ersten Mal ernannte man eine Frau zum hauptamtlichen Steuermann einer Rettungseinheit. Di Bush befehligt nun die Crew von Harwich an der Ostküste der Insel.

Die Geschichte der britischen Seenotretter beginnt im Jahr 1824, nach einem Appell von Sir William Hillary auf der Isle of Man. Nun gibt es eine Meldung, die nahezu historische Bedeutung hat: Zum ersten Mal in der Geschichte ernennt die Organisation einen weiblichen Steuermann in Vollzeit, um eine ihrer Crews zu führen.

Erster weiblicher Steuermann in der Geschichte der RNLI

Di Bush übernimmt den Posten des Coxswain auf der Station in Harwich, die wegen des großen Fährhafens mit Verbindungen nach Rotterdam und Dänemark eine große Bedeutung hat. Frau Bush war seit 2017 die hauptamtliche Mechanikerin der Station. Im Jahr 2003 trat sie als Freiwillige der Falmouth RNLI in die Organisation der Seenotretter ein. Sie arbeitete auch als Seefrau und Steuerfrau eines Serviceschiffes, das die Isles of Scilly vor der Küste von Cornwall medizinisch versorgt.

„Di ist in dieser Hinsicht wegweisend und seit einigen Jahren eine Inspiration für andere Frauen“, sagt Sue Kingswood, RNLI-Managerin für Inklusion und Vielfalt. Wie in Deutschland finanzieren sich auch die britischen Seenotretter alleine aus Spenden. Man hofft nun, dass man noch mehr Frauen für Such- und Rettungsfunktionen begeistern kann. „Je mehr Vorbilder wir in unserer gesamten Organisation haben, die eine größere Vielfalt der Gesellschaft repräsentieren, desto erfolgreicher werden wir unser Hauptziel erreichen, Leben auf See zu retten“, sagt Frau Kingswood.

Wie ist die Situation in Deutschland?

Die meisten Seenotretter in Großbritannien sind Ehrenamtler, die in ihrer Freizeit viel riskieren, um anderen Menschen in Not zu helfen. In der Regel werden nur die Führungs- und Managementpositionen mit Hauptamtlern besetzt.  1969 war die erste Frau hauptamtlich auf einer Station tätig. Heute ist nach einer Mitteilung der RNLI beinahe auf jeder Station eine Frau dabei. Insgesamt engagieren sich in Großbritannien 600 Frauen für die Seenotrettung. Außerdem sind etwa 20 % der Rettungsschwimmer weiblich. Mehr als 143.000 Menschen rettete die Organisation seit ihrer Gründung.

 

Wir haben bei den Seenotrettern in Bremen nachgefragt, wie hierzulande die Situation ist.

In Deutschland gibt es keinen Coxswain (Steuermann), der ein Boot oder eine Station leitet, sondern einen Vormann. 180 Seenotretter sind in Deutschland festangestellt. Bislang handelt es sich dabei um eine reine Männerdomäne: 180 Männer, keine Frau. Von 800 freiwilligen Seenotrettern sind an Deutschlands Küsten 55 weiblich. Birgit Heinze von der Freiwilligenstation Gelting ist einziger stellvertretender Vormann.

Es heißt bei uns „weiblicher Vormann“, nicht Vorfrau. Bei der letzten Tagung der Vormänner, auf der Birgit Heinze gewählt wurde, beriet man darüber. Es blieb bei der Bezeichnung Vormann.

 

In unserem Buch MAYDAY berichten Deutschlands Seenotretter von ihren dramatischsten Einsätzen. Auch Birgit Heinze erzählt in diesem Buch ihre Geschichte. Das Buch gibt es überall im Handel und hier bei uns im Ankerherz Buchladen.

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