Fischer sind entsetzt: EU beschließt harte Maßnahmen

Fischer dürfen in der westlichen Ostsee vorerst keinen Dorsch und Hering mehr gezielt fangen. Angler haben die Erlaubnis für nur einen Dorsch am Tag. Darauf haben sich die EU-Fischereiminister nach einer mehr als 24 Stunden langen Verhandlung geeinigt.

Die neuen Quoten bedeuten nicht weniger als ein Alptraum für die Fischer in der westlichen der Ostsee. Mehrheitlich folgen die EU-Länder dem Vorschlag der EU-Kommission und verbieten den gezielten Fang von Dorsch und Hering in der westlichen Ostsee. Lediglich Beifang in Höhe von knapp 490 Tonnen Dorsch und 788 Tonnen Hering soll noch möglich sein.

Ausnahmen gelten für nur Fischerboote unter zwölf Meter, die mit „passivem Fanggerät“ – also mit Stellnetzen – weiterhin gezielt Heringe fischen dürfen. Angler dürfen einen Dorsch und einen Lachs pro Tag fangen. Bei Scholle und Sprotte einigten sich die Fischereiminister auf eine leichte Steigerung der Quoten.

Beständen geht es schlecht

Den Beständen von Dorsch und Hering geht es seit Jahren schlecht. Gründe sind laut Fachleuten neben einer Überfischung zu viele Nährstoffe im Wasser und eine Erwärmung der Meere infolge der Klimakrise. In einer vor kurzem veröffentlichten Studie des Hamburger Forschers Prof. Christian Möllmann ist gar von einem „Kipp-Punkt“ die Rede. Dass sich die Bestände nicht mehr erholen können, ist allerdings in Kreisen der Wissenschaft nicht unumstritten.

Welche Folgen hat die EU-Entscheidung für die Fischer der Ostsee? „Wir haben große Sorgen, dass es einige Betriebe nicht schaffen werden“, sagt Benjamin Schmöde, Geschäftsführer der Fischereigenossenschaft Fehmarn im Gespräch mit Ankerherz. Er fordert eine sozialverträgliche Lösung, etwa durch Abwrackprogramme für Kutter. „Die Politik muss sich Gedanken machen“. Das Interview mit Schmöde sendet Radio Ankerherz in einer Sondersendung am Mittwoch.

Fischer fürchten um ihre Zukunft

Deutschland lehnte das in Luxemburg beschlossene EU-Maßnahmenpaket ab. Das Ministerium von Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) hatte u.a. vergeblich gefordert, dass über den westlichen Hering im Dezember entschieden wird. Schließlich wandere dieser Bestand und auch andere Länder fischten davon. Die EU-Kommission habe „unterschiedliche Maßstäbe“ an die Fanggebiete Ostsee und die nördlich gelegeneren Gebiete Kattegat und Skagerrak anlegt, kritisierte das Bundeslandwirtschaftsministerium. Wegen des Mehrheitsprinzips sind die Beschlüsse aber ab 2022 bindend.

Während manche Fischer von einem „Untergang“ ihrer Tradition sprechen, etwa im NDR, sehen Umweltschutzverbände nun das Ende einer traurigen Entwicklung. „Die Überfischung der vergangenen Jahrzehnte lässt nicht nur viele Bestände kollabieren, sondern die Fischerei gleich mit“, findet Thilo Maack, Meeresbiologe der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Durch viel zu hohe Fangquoten der vergangenen Jahre habe der EU-Fischereirat den Kollaps der Bestände selbst herbeigeführt. Besonders bitter seien die Folgen für die kleine, handwerkliche Küstenfischerei und für Angler.

 

Fotos des Beitrags: Oliver Meiske, aus dem Ankerherz Fotoblog.

 

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