Gelber Rauch über dem Südhafen: Feuerwehr Helgoland im Einsatz

Die Feuerwehr Helgoland rückte am Wochenende zu einem großen und seltsamen Einsatz im Südhafen aus. „Gelber Rauch stieg auf und das Wasser brodelte regelrecht“, sagt Heiko Ederleh, Chef der Helgoländer Inselwehr, im Gespräch mit Radio Ankerherz. Experten vom Festland wurden alarmiert.

Der Alarm ging um 14:23 Uhr am Samstagmittag ein. Ein besorgter Anrufer meldete gelben Rauch über dem Wasser des Südhafens. An dieser Stelle werden Dalben in den Meeresboden gebohrt. Unter Einsatz von Atemschutzgeräten sperrte die Feuerwehr den Bereich um die Baustelle weiträumig ab. „Wir haben auch einige Segler evakuieren müssen“, berichtet Wehrführer Ederleh.

Feuerwehr Helgoland fordert ABC-Dienst an

Man forderte die Gefahrguteinheit des Kreisfeuerwehrverbandes Pinneberg, den sogenannten „ABC-Dienst“ an. Im Labor des Mehrzweckschiffs „Neuwerk“ des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes wurden noch am Abend Wasserproben analysiert. Dabei maß man nichts Verdächtiges , was vermutlich daran liegt, dass die Proben erst Stunden später genommen wurden und der Stoff im Wasser bereits zu stark verdünnt war. Bislang wurden bei anderen Kampfmittelräumungen auf Helgoland keine Stoffe entdeckt, die so reagieren, wie man es am Samstag beobachtete.

Im Labor der “Neuwerk” wurden die Proben analysiert. Foto: Ankerherz

 

Die Einsatzkräfte gehen davon aus, dass es sich beim ausgetretenen Stoff um Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg handeln könnte. Eine aktuelle Gefährdung besteht nicht, doch die Bauarbeiten im Bereich des Südhafens wurden als Vorsichtsmaßnahme vorerst eingestellt. Der Bereich des Stegs ist aktuell noch gesperrt.

Kampfmittel sind eine tickende Zeitbombe

Helgoland wurde im Zweiten Weltkrieg stark bombardiert und noch in den 1950er-Jahren als Übungsgebiet von britischen Bombern angeflogen. Auf dem Grund von Nordsee und Ostsee liegen hunderttausende Tonnen Munition aus dem Zweiten Weltkrieg. Experten warnen davor, dass viele Bomben noch immer explodieren könnten. Nach Jahrzehnten im Salzwasser sind die Behälter nun durchgerostet. Experten nennen sie “tickende Zeitbomben”.

Ein besonders gefährdetes Gebiet ist die Kieler Bucht. Fachleute wie  Matthias Brenner vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung sprechen davon, dass dort „Torpedokopf neben Sprengmine“ auf dem Meeresgrund liegt. Alleine auf deutschem Gebiet sollen insgesamt 1.6 Millionen Tonnen konventionelle Waffen und 300.000 Tonnen chemischer Waffen in Nordsee und Ostsee liegen. „Das ist gewaltig“, sagt Brenner.

 

 

 

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