Greyhound – Tom Hanks spielt Schiffe versenken mit Nazi-Kitsch

Greyhound: Tom Hanks spielt im neuen Film den Kommandanten eines amerikanischen Zerstörers, der auf dem Atlantik einen alliierten Konvoi vor Hitlers U-Booten schützt. Da kann doch gar nichts schief gehen, oder? Leider schon.

Ich mag den Schauspieler Tom Hanks. Es war großartig, wie er den von Piraten entführten „Captain Phillips“ gab. Seine Leistung im Kriegs-Epos „Der Soldat James Ryan“ war wirklich bewegend. Mit Steven Spielberg produzierte er die phantastische Serie „Band of Brothers“, und all dies führt dazu, dass ich „Greyhound“ mit großer Erwartung anschaue. Zumal Hanks selbst das Drehbuch schrieb, basierend auf einem 1955 erschienen Roman des britischen Autors Cecil Forrester.

Das muss doch gut werden? Leider nein.

Der Film spielt auf dem Atlantik, im Winter 1942. Tom Hanks ist Ernie Krause, Kommandant des Zerstörers USS Keeling, Rufname: Greyhound, der einen alliierten Konvoi vor deutschen U-Boot Verbänden schützen soll. Gefährlich wird diese Aufgabe besonders in einer Zone, in der es keine Luftunterstützung im Kampf gegen die „Wolfrudel“ genannten U-Boote gibt. „Black Pit“ wird diese Zone genannt, „schwarzes Loch.“

Greyhound wirkt wie ein Computerspiel

Tatsächlich gibt es zwei Gründe, warum man Greyhound ansehen sollte. Erstens: Trotz allem die Schauspielkunst von Tom Hanks, der minimalistisch den tiefgläubigen Kommandanten Krause verkörpert. Als ein U-Boot versenkt wird, brandet an Bord des Zerstörers Jubel auf: „50 Krauts weniger!“ Hanks hingegen faltet sein Gesicht gewohnt schwermütig und murmelt: „50 Seelen“.

Zweitens: Die Aufnahmen vom Nordatlantik im Winter, die uns von der Skua-Tour nach Island so vertraut sind (siehe Bilder-Galerie unten). Grau und schwer und düster ist der Ozean. Wieder und wieder bricht der Bug des Zerstörers durch die schwere See. Man bekommt ein Gefühl für dieses wilde Meer. Man spürt, wie beklemmend die Reise für Crews der Frachter gewesen sein musste, die in dieser lebensfeindlichen Umgebung von den Jägern aus der Tiefe verfolgt wurden.

Doch das war es leider schon.

Greyhound wirkt in Teilen fast wie ein Computerspiel. Krause hetzt von Backbord nach Steuerbord, schreit Kommandos (wobei er Hanks-typisch immer der liebe Kerl bleibt), es wird geballert und gewasserbombt, was das Bordarsenal hergibt. Es gibt überhaupt keine Atempausen und subtile Spannung war vorgestern. Von einer Intensität, die etwa „Das Boot“ verursachte, ist gar nichts zu spüren. Das hier ist brachiales Hollywood-Gerummse auf AppleTV+. Andere Charaktere kommen neben Hanks, der den Film wie ein Solo-Kammerspiel trägt, leider nicht mal in Ansätzen vor.

Die Wölfe auf dem U-Boot

Eine Crew mit Hanks und gutherzigen Statisten kämpft also gegen die bösen Nazis, die ihre U-Boote kreativ mit Wolfsfratzen bemalt haben. Nun handelt es sich um reine Unterhaltung, nicht um einen Dokumentation auf ARTE, doch die Frage, warum man Nazi-Ästhetik dermaßen aufbauscht, sollte erlaubt sein. Dass sich der Kommandant eines Uboots über Funk auf der Brücke des Zerstörers meldet, um den Gegner mit hartem Akzent und holprigem Englisch zu verhöhnen, ist einfach nur abwegig und ziemlich bescheuert. An dieser Stelle wird Greyhound dann „Schiffe versenken“ mit Nazi-Kitsch.

Beinahe ist man froh, dass der Film nur 90 Minuten hat, denn eine mehrdimensionale Handlung im eigentlichen Sinne ist nicht zu erkennen. Der Film spult wie das Bordtagebuch mit angeklebter Liebesgeschichte und viel Computeranimation ab. Emotionen entstehen nicht zwischen den Torpedos. Als alles vorbei ist und die Nazis Fischfutter sind, kniet Hanks vor seiner Koje, dankt dem Allmächtigen und legt sich wieder hin.

70 Millionen Dollar soll AppleTV für „Greyhound“ bezahlt haben. Das ist eine Menge Geld für den ersten Hanks-Film, der nie über den Status eines gefühlten B-Movies herauskommt. Ob es der Beginn einer Revolution ist, wie manche Kino-Kritiker vermuten, weil die Streamingdienste in der Corona-Zeit endgültig die Kino-Säle schließen? Wer weiß das schon.

Zum Film Greyhound bleibt zu sagen: Ohne Tom Hanks wäre der Film eine Komplett-Havarie im Atlantik. Wie schade.

 

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