HAFENGEBURTSTAG – nein danke!

Der Hafengeburtstag ist das Gegenteil von dem, was die Schönheit des Hafens für mich ausmacht.

Ich mag den Hafen, ich mag ihn sogar sehr, Asphalt und Docks und den Geruch nach Schiffsdiesel. Im Morgennebel mit der Fähre von den Landungsbrücken losfahren. Im Sonnenschein ein kaltes Bier trinken, wenn das Elbwasser golden glitzert, und die Möwen beobachten. Im Abendlicht am Burchardkai den großen Frachtern hinterher sehen und Fernweh spüren. In der Nacht die tausend Lichter zu sehen, das Schlagen der Container zu hören, das Schreien einer Sirene. Dann wird wieder schwarz zu blau und der Hafen ist ein magisches Land.

 

Der Hafengeburtstag erinnerte mich an eine Kirmes oder an den Karneval in Köln, minus die lustigen Einlagen. Clowns gibt es trotzdem. Ein Gedränge, ein Geschiebe, Fressbuden, wohin man sieht, ein Teppich aus DJ Ötzi und Shanty-Chor und abends, wenn zum Bier der Schnaps kommt, erbrechen sich die Junggesellen in den Hauseingängen von Sankt Pauli. Als vor ein paar Jahren der „Rockliner“ in den Hafen einfuhr, mit hunderten Möchtegern-Udo-Lindenbergs an Deck, die mit Gitarren und Verstärkern einen Teppich aus Lärm über die Docks legten, dachte ich: Mein Gott, Lindenberg, was ist nur aus dir geworden. Und ich muss hier schnell weg.

Hafengeburtstag bedeutet das Gegenteil von Magie. Hafengeburtstag sieht nur durch die Teleobjektive von Fotografen gut aus. Ich freue mich auf den Dienstag danach. Dann ist alles wieder so, wie es sein soll.

4 comments

Richtig.
zerlina on Mai 11 2015
Von der anderen Elbseite aus - aus dem Industriehafen - geht es. Haben wir ausprobiert...
zerlina on Mai 11 2015
Ich bin seit knapp 20 Jahren nicht mehr dort gewesen, hat nichts mit schön zu tun!
Ole Berlin on Mai 10 2015
Reisende soll man nicht aufhalten
Manfred Laugwitz on Mai 09 2015

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