HAIFISCH BAR Geschichten: Kreuzfahrt-Boom im Hai

Die Haifisch Bar ist eigentlich keine Kneipe, sondern eine Erinnerung an einen Hafen, den es nicht mehr gibt. Wenn sich eine Stadt wandelt, verändert sich der Hafen als erstes, weil der globale Handel vorgibt, wohin die Reise geht. Was also in den letzten Wochen in den Zeitungen zu lesen war, dürfte manchem Sorgen machen, der fürchtet, dass aus einem arbeitenden Industriehafen eine Art Disney-Land mit angeschlossenen Becken wird.

Blohm+Voss, die eiserne Lady des Hafens, baut weiter Stellen ab. Reedereien schaukeln von einer Krise in die nächste, und die Frage, was mit Hamburg passiert, wenn die Gigantomanie nicht aufhört und die Schiffe immer größer werden, schwebt sowieso über allem. Andererseits: Wählte so ziemlich jede Zeitung von der „New York Times“ bis zur „Bäckerblume“ Hamburg zu den Orten, die man in nächster Zeit gesehen haben muss. Andererseits: Sind in Hamburg 2017 mehr als zweihundert Anläufe von Kreuzfahrtschiffen geplant, mit mehr als 800.000 Passagieren, die an Land zu gehen versprechen. Der Kreuzfahrt-Boom geht weiter und noch nie war der Hamburger Hafen so sexy. Einnahmen Ahoi.

 

Kreuzfahrt-Boom in Hamburg

Eine Großstadt kommt per Schiff zu Besuch, und Gert Schlufter, 70, der Wirt des Hai, kann die meisten Riesen sehen, die zwischen den Kränen auf der gegenüberlegenden Seite der Großen Elbstraße nach Steinwerder abbiegen. Warum die Branche eine solche Hochzeit erlebt, versteht er. Schlufter gehört zu den Millionen Deutschen, die schon eine Kreuzfahrt gebucht haben. In Zeiten, in denen viele Reiseziele wegen Terrorgefahr, beknackter Präsidenten oder anderer Probleme wegfallen, verspricht eine Kreuzfahrt eine Mischung aus vertrauter Umgebung und fremden Welt – das Wiener Schnitzel vor Dubai mit unverbaubarem Seeblick.

„Gute Sache, so eine Kreuzfahrt“, sagt Schlufter, der einmal in Dubai einstieg. Sich Gert mit einem Longdrink auf dem Sonnendeck vorzustellen, fällt etwas schwer, wenn man ihn mit dem Astra hinter dem Tresen des Hai kennt, doch er schwört, dass es „super“ war. Vor allem die Küche, und darauf legt Schlufter, der ganz früher als Smutje auf einem Frachter in die USA und nach Südamerika fuhr, besonderen Wert.

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Achtern raus im Hai

Von den hunderttausenden Kreuzfahrern, die in Hamburg an Land schwemmen, bekommt seine Bar bislang kaum einen ab. Die letzten Schiffspassagiere, die im Hai feierten, kamen aus England. Zu Zeiten, als die Fähre aus Harwich anlegte. „Die kamen mit ihren Einkäufen aus der Stadt zurück, und dann gab es kein Halten mehr“, berichtet Gert. Einige drohten, „achtern raus“ zu segeln, wie es unter Seeleuten heißt, wenn man sein Schiff verpasst. Die Linie wurde nach Cuxhaven verlegt und wenig später geschlossen.

Für Gert ganz klar: „Mal ehrlich: Wer will schon nach Cuxhaven?“, fragt er.

 

Wir erzählen jeden Samstag eine Geschichte aus der Haifisch Bar. Haben Sie auch eine für uns? Melden Sie sich: haifischbar@ankerherz.de

HEIMATHÄFEN – so heißt die Kreuzfahrt von Ankerherz & Plantours Kreuzfahrten. Star in diesem Jahr VOLKER LECHTENBRINK. Im Mai geht es los – hier gibt es alle Informationen.

 

 

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