KAPITÄN SCHMIDT: ein herzloser Außenminister namens Kurz

Mir ist es wie vielen Menschen in diesen Tagen: Ich habe das Gefühl, von den Nachrichten abzustumpfen. Durch Lautsprecher wie Donald Trump oder die AfD und ihre inszenierten Skandale ist man – leider – einiges gewohnt. Doch was ich nun lese, aus dem Munde des österreichischen Außenministers Sebastian Kurz (ÖVP), macht mich wütend.

“Der NGO-Wahnsinn muss beendet werden”, erklärte Kurz in Malta. Die Rettungsaktionen der Hilfsorganisationen auf dem Mittelmeer führten dazu, dass mehr Flüchtlinge im Mittelmeer sterben. Er bezeichnete einige NGO wörtlich als „Helfer der Schlepper“. Kurz forderte die Schaffung von Auffanglagern in Nordafrika und eine Stärkung des Frontex-Mandats: “Es muss möglich sei, Boote zurückzudrängen, Boote müssen aktiv zerstört werden und proaktiver gegen Schlepper vorgegangen werden.”

Ein herzloser Außenminister

Was Kurz von Sicht gibt, diese wandelnde Haargel-Tube, der sich gerne gibt wie ein Wall-Street-Manager, ist nichts anderes als Populismus und Herzenskälte. Durch wissenschaftliche Studien u.a. der Universität von Oxford wissen wir längst, dass die Größe von Flüchtlingsbewegungen NICHTS mit Rettungsaktionen zu tun hat. Dies sagt doch schon der normale Menschenverstand: Würden Sie sich mit ihren Kindern in ein völlig überfülltes Schlauchboot setzen, wenn Sie nicht komplett verzweifelt und keinen anderen Ausweg sähen? Politikern wie Kurz geht nicht um den Schutz von Menschen. Es geht ihnen um den Schutz von Grenzen, um jeden Preis. Notfalls um den Preis der Menschlichkeit und der Grundgesetze. Flüchtlingslager in der armen Ländern Nordafrikas (von denen Libyen vor dem Zusammenbruch steht), bezeichnet das Hilfswerk der Vereinten Nationen UNHCR als inakzeptabel.

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Es ist Europas Schande, dass wir die Rettung von Menschen, die unsere Hilfe benötigen, den Hilfsorganisationen überlassen. Diese Retter, von denen viele freiwillig arbeiten, ihren Job vernachlässigen und ihre Gesundheit riskieren, nun auch noch zu kriminalisieren? Sie als „Schleuser“ zu bezeichnen? Mir ist es auch so ergangen, als ich 37 Flüchtlinge rettete und mich dafür vor einem italienischen Gericht verantworten musste. Ich könnte ausspucken.

“NGO-Wahnsinn”? Kurz-Wahnsinn!

Wir sollten die NGO unterstützen, statt sie zu beschimpfen. Mehr als 500 Menschen sind in diesem Jahr bereits im Mittelmeer ertrunken, nach offiziellen Angaben, die Dunkelziffer liegt viel höher. Nicht der „NGO-Wahnsinn“, sondern der „Kurz-Wahnsinn“ sollte bei den nächsten Wahlen beendet werden. Er ist ein herzloser Außenminister. Was bleibt von den Werten der Europäischen Union, von der Hilfe für Menschen in Not, von der Unterstützung für die Ärmsten, wenn Typen wie ihm das Feld überlassen wird?

KAPITÄN STEFAN SCHMIDT, JAHRGANG 1941, FUHR KNAPP FÜNF JAHRZEHNTE ZUR SEE. 2004 RETTETE ER FLÜCHTLINGE AUS DEM MITTELMEER, WURDE DESHALB ANGEKLAGT UND GING FAST IN DEN KNAST. SEIT FÜNF JAHREN IST ER ZUWANDERUNGSBEAUFTRAGTER DES LANDES SCHLESWIG-HOLSTEIN. SCHMIDT HAT DREI ERWACHSENE SÖHNE UND LEBT IN LÜBECK. IM ANKERHERZ BLOG BERICHTET ER VON SEINEM LEBEN UND SEINER ARBEIT.

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