Im Sturm: Großfrachter Maersk Essen verliert 750 Container

Container über Bord: Wieder sind zahlreiche Stahlkisten über Bord eines Großcontainerfrachters gegangen. Die „Maerk Essen“ verlor in einem schweren Sturm auf dem Pazifik mindestens 750 Container. Ein Vorfall, der auch auf den deutschen Inseln Fragen aufwirft. Ankerherz sprach mit Jürgen Akkermann, dem Inselbürgermeister von Borkum.

Der Großcontainerfrachter „Maersk Essen“ (366 Meter lang, 48 Meter breit) geriet auf der Reise von Xiamen in China nach Los Angeles in einen schweren Sturm. Durch starke Rollbewegungen gingen mindestens 750 Container über Bord. Die dänische Reederei spricht von einer „sehr ernsten Situation“, die „gründlich untersucht“ werden müsse. Alle Crewmitglieder seien wohlauf. AIS-Aufnahmen zeigen, dass die „Maersk Essen“ inzwischen in einen Hafen in Mexiko umgeleitet wurde.

Dieser Unfall ist der jüngste in einer Reihe ähnlicher Ereignisse. Erst Ende November verlor die „One Apus“ in einem Orkan auf dem Pazifik fast 2000 (!) Container. Zu Jahresende gingen vor Japan 40 Container über Bord der „Evergreen Marine“; vor zwei Wochen dann noch einmal 76 eines anderen Großfrachters, ebenfalls vor Japan.

Immer wieder Container über Bord

Diese Havarien scheinen weit weg zu sein – doch sie lösen auch an der deutschen Küste Unruhe aus. In trauriger Erinnerung ist die Havarie der „MSC Zoe“, die Neujahr 2019 mehr als 340 Container in der Nordsee verlor. Besonders die Inseln Ameland, Vlieland und Borkum waren betroffen. Unter den Umweltschäden litten Küstenbewohner und Fischer noch Monate später.

Im Untersuchungsbericht der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) liest man eine unangenehme Wahrheit: Die Container an Bord der „MSC Zoe“ waren vorschriftsmäßig gelascht. Das Problem ist, dass die heutigen Vorschriften nicht mehr für die Wirklichkeit an Bord der immer größeren Schiffe geeignet sind. Kommt ein Großcontainerfrachter „ins Rollen“ (legt sich also von einer Seite auf die andere), dann wirken auf die hoch gestapelten Containertürme Kräfte, die sich mit keinem aktuell eingesetzten System kontrollieren lassen.

Nur eine Frage der Zeit

Für Experten ist es deshalb nur eine Frage der Zeit, wann sich wieder ein Unfall in der Nordsee ereignet. Die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste, in der sich Kommunen, Landkreise und Naturschutzvereine aus dem Küstenbereich der Nordsee zusammenschlossen, fordert seit einiger Zeit, dass große Containerschiffe bei Sturmgefahr nicht mehr so dicht unter der deutschen Küste fahren dürfen. Bislang gilt nur eine Empfehlung, keine Vorschrift. Eine „äußere Route“ vor der Küste würde Rettungskräften im Ernstfall mehr „Krisenreaktionszeit“ erlauben. Crews von Hochseeschleppern hätten dann Gelegenheit, einen Havaristen „auf den Haken“ zu nehmen oder Container aufzufischen.

In Abstimmung mit den Niederlanden sollten die Kapitäne angewiesen werden, Fahrwasser zu nehmen, die deutlich weiter draußen auf See sind. Einige der küstennahen Routen verlaufen in Sichtweite der Inseln. Entsprechend groß ist die Gefahr für die Inseln, wenn Container verloren gehen oder die Maschine ausfällt. Doch bislang tut sich nichts – und die Kritik von der Küste wird lauter.

„Mich beunruhigt das sehr“

„Die Gefahr ist nach wie vor da. Es kann jederzeit wieder passieren. Wir erwarten, dass nun endlich etwas passiert und die Routen verlegt werden“, sagt Borkums Bürgermeister Jürgen Akkermann (parteilos) im Gespräch mit Ankerherz. Die Aussicht, dass ein großer Frachter nach einer Havarie auf die Küste zutreibt – wie im Falle der „Glory Amsterdam“im Oktober 2017 – oder der Inhalt hunderter Container am Strand sei ein „Albtraum“, sagt Akkermann. „Mich beunruhigt das sehr“.

Die Menschen auf den Inseln leben beinahe alle vom Tourismus. Nicht auszudenken, was geschieht, sollte es zur Corona-Pandemie ein solches Unglück geben. Doch außer Appellen und allgemeiner Betroffenheit ist nach der Havarie der MSC Zoe nichts geschehen. „Seitens der Politik bekommen wir leider wenig Initiative mit“, klagt Akkermann.

Diskussion läuft, sagt das Ministerium

Aus dem Bundesverkehrsministerium heißt es laut eines Berichts des NDR, dass Experten einzelne Sicherheitsempfehlungen aus dem Untersuchungsbericht, etwa zum Thema Ladungssicherung, noch „prüften“. Maßnahmen wie etwa der Versand von Sturm-Warnmeldungen an Schiffe seien bereits auf den Weg gebracht worden. Fragen zur Verkehrswegeführung seien indes komplex. Sie würden in Fachgruppen „diskutiert“.

Bleibt zu hoffen, dass diese „Diskussion“ beendet ist, bevor es wieder zu einer Havarie in der Nordsee kommt…

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