KAPITÄN SCHMIDT: Ein Bayer versenkt unsere Traditionsschiffe

In einer Zeit, in der wir mit Trump, Lügen und AfD zu kämpfen haben, gehen manche Meldungen unter. Weil sie, im großen Bild betrachtet, nicht so wichtig erscheinen. Vielleicht auch, weil die Menschen, konfrontiert mit argen Problemen, manchmal keine Kraft mehr haben, sich über „kleinere“ Dinge aufzuregen.

Eines dieser Themen kommt aus Berlin, aus dem Bundesverkehrsministerium. Was Minister Alexander Dobrindt vorhat, wird die Traditionsschifffahrt hierzulande absaufen lassen. Gegen alle Proteste aus den norddeutschen Bundesländern zieht der Bayer seinen Plan durch: Maritime Tradition in Deutschland stirbt.

 

Ein Minister versenkt Traditionsschiffe

Nach einer neuen Verordnung aus Berlin müssten knapp 90 Prozent der Traditionsschiffe umgebaut werden. „Sicherheitsgründe“, sagt das Ministerium. Zum Beispiel sollen alle Holztreppen an Bord mit Stahl unterlegt und neue Ankerketten angeschafft werden. Obendrein müssten, wenn der Behördenirrsinn Wirklichkeit wird, neue Schotten eingesetzt werden, wobei das Ministerium von 6000 € Kosten pro Schott ausgeht. Wer sich auskennt, der weiß: das wird leicht doppelt so teuer, und ein Schiff braucht einige Schotten.

Die meisten Betreiber von Traditionsschiffen haben ohnehin schon Probleme, die Schiffe zu unterhalten. Etwa hundert gibt es in Norddeutschland, und man mag sich nicht vorstellen, wie der Hamburger Hafen beispielsweise ohne den Eisbrecher „Stettin“ oder den Lotsenschoner „No.5 Elbe“ aussieht. Es ist ohnehin schade, wie wenig hierzulande auf maritime Tradition geachtet wird. In den Niederlanden etwa ist das ganz anders – und wie herrlich ist es, in einer Stadt wie Harlingen im Hafen zu stehen und den „Wald“ aus Masten alter Schiffe zu sehen.

Profi-Regeln für Ehrenamtler?

Ohne den Einsatz von Spendern und Ehrenamtlern wäre an Bord vieler Traditionsschiffe schon jetzt längst Schluss – und eben diese Ehrenamtler will der „Experte“ aus Bayern noch bestrafen. Alle ehrenamtlichen Seeleute – die meisten sind Rentner – müssen künftig ihre Seetauglichkeit nachweisen. Wie Berufsseeleute! Die Vorschriften sind streng, viele werden den Test nicht bestehen.

Was soll das?

Ich bin mein Leben lang zu See gefahren, habe Seeleute ausgebildet und war zuletzt Honorardozent für Schiffsicherheit an der Seemannsschule Travemünde. Ich verstehe ein paar Dinge von Sicherheit auf Schiffen, und mir ist sie wichtig.

Was Dobrindt vorhat, ist Schwachsinn. Es ist nicht nachzuvollziehen, was er bezweckt. Traditionspflege scheint es für ihn nur zu geben, wenn er im Bierzelt einen Sepplhut aufhat und auf einer Schweinshaxe herumkauen kann. Es wird Zeit, dass jemand diesen Minister politisch aus dem Verkehr zieht.

 

KAPITÄN STEFAN SCHMIDT, JAHRGANG 1941, FUHR KNAPP FÜNF JAHRZEHNTE ZUR SEE. 2004 RETTETE ER FLÜCHTLINGE AUS DEM MITTELMEER, WURDE DESHALB ANGEKLAGT UND GING FAST IN DEN KNAST. SEIT FÜNF JAHREN IST ER ZUWANDERUNGSBEAUFTRAGTER DES LANDES SCHLESWIG-HOLSTEIN. SCHMIDT HAT DREI ERWACHSENE SÖHNE UND LEBT IN LÜBECK. IM ANKERHERZ BLOG & AUF SEINER FACEBOOK-SEITE BERICHTET ER AB SOFORT VON SEINEM LEBEN UND SEINER ARBEIT.

 

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