Kapitän Schmidt: Einschätzung zur Havarie vor Langoog

Kapitän Stefan Schmidt, der Flüchtlingsbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein, ist nicht nur ein erfahrener Seemann, sondern auch ein renommierter Experte für Schiffsicherheit. Dies war sein Unterrichtsfach und Fachgebiet an der Seefahrtsschule in Travemünde. Wir haben ihn eben telefonisch in Lübeck erreicht und ihn um eine Einschätzung der Situation vor Langeoog gebeten. Der 220 Meter lange Massengutfrachter “Glory Amsterdam” liegt dort auf Grund, nach Aussage des Havariekommandos zwei Kilometer vor dem Strand. Die Wetterlage: Beaufort acht bis neun.

Hochseeschlepper Nordic. Foto: Bundespolizei

Mit Fernprognosen muss man vorsichtig sein, sagt der Kapitän, aber dies sind seine Gedanken zur Havarie vor Langeoog:

Seeschlag sollte nicht das Problem sein. Ein Schiff der Größe der “Glory Amsterdam” ist gebaut, um Wellenschlag bis 15 Metern Höhe auszuhalten. Laut Havariekommando beträgt die Wellenhöhe aktuell sieben bis acht Meter.

Havarie vor Langeoog: wie liegt das Schiff?

Problematisch könnte der Untergrund sein bzw. die Frage, wie die “Glory Amsterdam” liegt. Ist der Untergrund eben, sollte es kein Problem geben, denn das Seegebiet ist für schlammigen und sandigen Boden bekannt. Es gibt keine größeren Felsen. Schwierig ist es, wenn der mittlere Teil des Schiffes erhöht liegt; durch das Spiel der Wellen und der Masse könnte es dann zu Problemen kommen, wenn der Frachter wegen des Spiels der Kräfte durchbricht. Er hat 1400 Tonnen Schweröl und 130 Tonnen Dieselöl in den Tanks.

Für die 22 Besatzungsmitglieder und vier Männer eines Bergungsteams besteht nach Ansicht von Kapitän Schmidt keine akute Gefahr. Retter sind in der Nähe und Hubschrauber können schnell vor Ort sein. Sollte sich die Situation dramatisch verschlechtern, können die Crewmitglieder schnell vom Havaristen abgeholt werden.

Die Glory Amsterdam. Foto: Havariekommando

Die neuesten Informationen des Havariekommandos

Diese Einschätzungen decken sich mit den letzten Informationen, die wir um 22 Uhr telefonisch beim Havariekommando in Cuxhaven erfragt haben. Die Lage wird als “einigermaßen sicher” eingeschätzt. Heute Nacht – es ist Ebbe – soll es keinen weiteren Freischleppversuch geben. “Erst mit der Flut in den Morgenstunden ist ein weiterer Versuch geplant”, sagte eine Sprecherin. Ein Freischleppversuch wird vorbereitet. Der Hochseeschlepper Nordic und das Mehrzweckschiff Mellum sind weiterhin vor Ort, ein weiterer Schlepper ist auf dem Weg. Regelmäßig fliegt das Ölüberwachungsflugzeug Do 228 über die Unglücksstelle. Bisher – das ist die gute Nachricht – konnte kein Schadstoffaustritt festgestellt werden.

Drücken wir die Daumen, dass dieses Unglück glimpflich ausgeht.

 

MIT UNSEREM BUCH MAYDAY HABEN WIR DEN SEENOTRETTERN EIN DENKMAL GESETZT. WIR VERNEIGEN UNS VOR IHRER LEISTUNG. HIER GEHT ES ZUM BUCH.

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