KAPITÄN SCHMIDT: Der teuflische EU-Pakt mit Libyen

Das Abkommen, das die EU mit Libyen schließen wird, macht mich wütend. Seit langem ist bekannt, dass Behörden und Militärs im nordafrikanischen Land mit den Schleusern zusammenarbeiten. Seit langem ist bekannt, dass in Libyen Zustände herrschen, die nur das Wort „Bürgerkrieg“ verdienen. Das Land ist von zwei Regierungen in drei Machtzentren geteilt, die sich gegenseitig bekämpfen. Nur wenige Hilfsorganisationen trauen sich noch nach Libyen, und wer weiß, wie mutig diese Leute sind, kann ermessen, was das bedeutet.

Jetzt lese ich, dass die EU „enger mit den Behörden vor Ort zusammenarbeiten will“? Mit welchen Behörden, frage ich mich? Mit jenen, die Flüchtlinge in Lager stecken, die Beobachter an Konzentrationslager erinnern? In denen sie weder eine menschengerechte Behandlung noch die Basisanforderungen an Ernährung und Hygiene existieren? Erniedrigungen, sexuelle Übergriffe, Krankheiten und Unterernährung sind dort Alltag.

EU-Pakt mit Libyen? Mehr Humanität!

Die Sorge unserer Regierungen gilt nicht den flüchtenden Menschen. Es geht allein um die Grenzsicherung, mit allen Mitteln. 181.000 Menschen kamen 2016 von dort in die EU, ein Fünftel mehr als im Vorjahr, und deshalb soll es einen ähnlichen Pakt geben wie mit der Türkei.

Unsere Politiker verhandeln dafür sogar mit vom Internationalen Gerichtshof angeklagten Staatspräsidenten. 2017 stehen wichtige, richtungsweisende Wahlen in Europa an, in Frankreich, in den Niederlanden, auch bei uns.

Deshalb ist der Druck so groß. Deshalb müssen „Ergebnisse“ her, die uns in Sicherheit wiegen. Die Flüchtlinge werden sich nicht abhalten lassen.

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Der EU-Pakt mit Libyen vergrößert das Chaos

Was wir brauchen, ist Mut zu Humanität. Kräfte zu unterstützen wie in Libyen bedeutet, das Chaos nur zu vergrößern und damit auch die Probleme. Es ist ein Pakt mit dem Teufel.

Die Flüchtlingskrise mit ihren Ursachen bekommt man damit nicht in den Griff, dafür braucht es ein großes Konzept. Wie wir fairen Handel ermöglichen, dabei helfen, Strukturen zu schaffen und die Korruption in den armen Ländern zu bekämpfen. Es sind gewaltige Aufgaben, ja, und es ist sehr komplex.

Menschenrechte zu missachten, darf kein Weg sein.

 

KAPITÄN STEFAN SCHMIDT, JAHRGANG 1941, FUHR KNAPP FÜNF JAHRZEHNTE ZUR SEE. 2004 RETTETE ER FLÜCHTLINGE AUS DEM MITTELMEER, WURDE DESHALB ANGEKLAGT UND GING FAST IN DEN KNAST. SEIT FÜNF JAHREN IST ER ZUWANDERUNGSBEAUFTRAGTER DES LANDES SCHLESWIG-HOLSTEIN. SCHMIDT HAT DREI ERWACHSENE SÖHNE UND LEBT IN LÜBECK. IM ANKERHERZ BLOG BERICHTET ER AB SOFORT VON SEINEM LEBEN UND SEINER ARBEIT.

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