KAPITÄN SCHMIDT: Kalkulierte Skandale der AfD

Der AfD-Politiker André Wendt, Landtagsabgeordneter in Sachsen und bislang nur als Komiker wider Willen bekannt (siehe unten), hat eine Anfrage an die Staatsregierung gestellt. Welche Leistungen erhalten unbegleitete minderjährige Ausländer? In wie vielen Fällen wurden Leistungen in Anspruch genommen? Welche Kosten entstanden? Die Überschrift lautet: „Kosten für „Hilfe bei Sterilisation“ für unbegleitete minderjährige Ausländer.“

Ich las das und fragte mich: Tickt Wendt noch richtig? Will Herr Wendt das Parlament testen?

Der Gedanke an Eugenik drängt sich sofort auf, an „Rassenhyghiene“, an Zwangssterilisationen im Dritte Reich. Entsprechend wütend wird der „Antrag“ in den Sozialen Netzwerken, auf Facebook und Twitter, diskutiert. Welch ein Eklat.

Kalkulierte Skandale als Programm

Um es offen zu sagen: Mich hat es auch wütend gemacht. Immer dann, wenn man denkt, das Niveau der AfD kann nicht noch tiefer sinken, unterbieten sie sich. Scheinbar mühelos. Gegen Björn Höcke habe ich nach seiner unsäglichen Rede in Dresden Strafanzeige wegen Volksverhetzung erstattet.

Genau hier liegt der Kern des Problems: die eigene Wut. Es gelingt der AfD immer wieder, Emotionen zu schüren und die Diskussion auf sich zu lenken. Kalkulierte Skandale als eine Strategie, wie sie auch bei Donald Trump funktionierte – und die den Sprung in den Bundestag ermöglichen soll. Von „sorgfältig geplanten Provokationen“ ist in einem Strategiepapier die Rede. Negative Reaktionen werden demnach nicht nur einkalkuliert, sondern sind gewünscht.

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“Je nervöser und je unfairer die Altparteien auf Provokationen reagieren desto besser. Je mehr sie versuchen, die AfD wegen provokanter Worte oder Aktionen zu stigmatisieren, desto positiver ist das für das Profil der AfD“, heißt es in dem Papier. Spalten, eine „Wagenburgmentalität“ für die eigenen Anhänger schaffen, im Gespräch bleiben.

Was also tun?

Schweigen?

Nein, das kann auch keine Lösung sein. Wir müssen darüber reden, ohne in die Falle der Emotionen zu tappen. Nüchtern, sachlich, faktisch feststellen, was die AfD ist. Eine rechtsextreme, völkische Partei, die im Bundestag nichts zu suchen hat. Wenn Höcke wegen seiner Dresdner Rede ein Partei-Ausschlussverfahren bevor steht, sollte dies auch für Ethanasie-Wendt gelten. Und für Herrn Gauland, für Frau Petry, Frau von Storch…

 

Bekannt war Wendt bislang nur als unfreiwilliger Komiker in den Sozialen Medien. Er wollte den Beratungen zum Landeshaushalt mit hunderten Anträgen trollen, kam aber gehörig ins Schleudern…

(Redaktion: Stefan Kruecken)

KAPITÄN STEFAN SCHMIDT, JAHRGANG 1941, FUHR KNAPP FÜNF JAHRZEHNTE ZUR SEE. 2004 RETTETE ER FLÜCHTLINGE AUS DEM MITTELMEER, WURDE DESHALB ANGEKLAGT UND GING FAST IN DEN KNAST. SEIT FÜNF JAHREN IST ER ZUWANDERUNGSBEAUFTRAGTER DES LANDES SCHLESWIG-HOLSTEIN. SCHMIDT HAT DREI ERWACHSENE SÖHNE UND LEBT IN LÜBECK. IM ANKERHERZ BLOG UND AUF SEINER FACEBOOK-SEITE BERICHTET ER AB SOFORT VON SEINEM LEBEN UND SEINER ARBEIT.

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