KAPITÄN SCHMIDT: Mein Streit mit den Pöblern der AfD

Es gibt Streit mit der AfD.

Vor einigen Wochen habe ich Strafanzeige gegen die „Identitäre Bewegung“ gestellt, die auf dem Mittelmeer Rettungsaktionen für Flüchtlinge verhindern und behindern wollte. Aus meiner Sicht ist dies weder mit dem Seerecht, noch mit unserem BGB vereinbar und ein Verbrechen. Dies habe ich auf meiner Facebook-Seite vermeldet.

Am 29. Juli postet die AfD Schleswig-Holstein ein Bild von mir mit dieser Nachricht.

„Wer macht sich als Schlepper strafbar? Reden in eigener Sache?“, schreiben die Herrschaften drüber.

Einer will mich ins Arbeitslager stecken

Sie suggieren also, der Flüchtlingsbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein sei ein Schlepper. Ich machte mich “strafbar”. Ganz offensichtlich eine Anspielung auf meine Rettung von 37 Menschen in Seenot, für die ich von einem italienischen Gericht zuerst angeklagt und dann freigesprochen wurde.

Was sich aber in der Kommentarspalte abspielt, spottet vollends jeder Beschreibung. Ich sei „senil“, ein „Säufer“, ein „Kotzbrocken“, „kein Kapitän“, einer will mich “ins Arbeitslager” stecken.”

Der Administrator der AfD lässt dies unkommentiert geschehen. Er löscht die Beleidigungen nicht, er bezieht keinerlei Stellung. Scheinbar ist er damit einverstanden, was dort geschrieben wird.

Mein Streit mit der AfD

Nun gibt es Anfang September eine Veranstaltung über Flucht und Fluchtursachen, zu der alle anderen Parteien von mir eingeladen wurden. Auf die AfD habe ich verzichtet. Wer mich so beleidigt, den lade ich nicht ein. Ich gehe nach Lektüre vieler Stellungnahmen und des Tenors auf der AfD-Seite nicht davon aus, dass sich Mitglieder der AfD über die Fluchtursachen informieren wollen.

Nun hat sich die AfD offiziell über mich beim Landtagspräsidenten beschwert.

Selbstverständlich respektiere ich sowohl als Teil der öffentlichen Verwaltung – wie auch persönlich als Demokrat – das Prinzip der abgestuften Chancengleichheit politischer Parteien. Ich finde aber, dass es für Einladungen gegenseitigen Respekt braucht.

Wer mich beleidigt bzw. Kommentare duldet, die den Straftatbestand der Beleidigung erfüllen, bekommt von mir keine Einladung.

 

KAPITÄN STEFAN SCHMIDT, JAHRGANG 1941, FUHR KNAPP FÜNF JAHRZEHNTE ZUR SEE. 2004 RETTETE ER FLÜCHTLINGE AUS DEM MITTELMEER, WURDE DESHALB ANGEKLAGT UND GING FAST IN DEN KNAST. SEIT FÜNF JAHREN IST ER ZUWANDERUNGSBEAUFTRAGTER DES LANDES SCHLESWIG-HOLSTEIN. SCHMIDT HAT DREI ERWACHSENE SÖHNE UND LEBT IN LÜBECK. IM ANKERHERZ BLOG BERICHTET ER VON SEINEM LEBEN UND SEINER ARBEIT.

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