KAPITÄN SCHMIDT: Präsident Trump und das gesunkene Schiff

Ich fühle mich seit heute Morgen wie betäubt. Wie ich höre und lese, geht das den meisten im Lande so. Donald Trump, der Mexikaner pauschal zu Vergewaltigern erklärte, die Eltern eines getöteten Soldaten beleidigte, Witze über Behinderte riss, der damit prahlte, Frauen gegen ihren Willen an die Genitalien zu fassen, der keine Steuern bezahlt hat, politische Gegner ins Gefängnis werfen wollte, Menschen aufgrund ihrer Religion die Einreise erschweren möchte und der Witze auf Kosten von Minderheiten riss – dieser Mann wird nun tatsächlich der 45. Präsident der wichtigsten Demokratie der Welt.

Mich erinnert diese Wahl an einen wahren Fall, den ich aus der Seefahrt kenne. Ein deutscher Kapitän ist damals vor der Einfahrt in den Englischen Kanal auf einen Felsen gefahren. Er hat dann das Schiff einfach zurückgesetzt. Ohne den Schaden zu besichtigen, setzte er die Fahrt in den Kanal fort.

Das Schiff sank wenig später.

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Ich bin sicher: Die Amerikaner haben so gewählt, wie dieser Kapitän handelte. Sie setzen kurz zurück und fahren einfach weiter. Hätten sie sich vor Augen geführt, welchen Schaden ein Präsident Trump womöglich anrichten wird – sie hätten sich anders entschieden. Und das Tragische ist, dass seine Stammwähler, z.B. weiße Arbeiter, als Erste die Folgen spüren werden. Kann man sie als menschliche „Lemminge“ bezeichnen oder geht das zu weit? Oder ist alles dem schlechten Schulsystem in Amerika geschuldet? Wie konnte es dazu kommen, dass dieser vulgäre Außenseiter diese Wahl gewann? Diese Fragen stehen im Raum.

Präsident Trump ist eine Warnung

Wir sollten dieses Wahlergebnis, das kaum jemand kommen sah, auch als eine Warnung an uns bewerten. Im kommenden Jahr stehen die Bundestagswahlen an – und die Rechtspopulisten sehen nach dem Brexit und diesem Wahlausgang bessere Chancen denn je. Wir sollten sie mit demokratischen Mitteln stoppen. Mit Empathie, mit der Besinnung auf Werte und Grundsätze, die unsere Gemeinschaft stark machen. Mit Weltoffenheit. Wir sollten jenen zuhören, die sich bei uns „abgehängt“ fühlen, auch wenn wir sie vielleicht nicht immer verstehen mögen.

Ich fühle mich heute Morgen wie betäubt. Ich möchte nicht, dass sich das Gefühl am Tag nach der Bundestagswahl wiederholt.

 

notiert von Stefan Kruecken, Ankerherz

KAPITÄN STEFAN SCHMIDT, JAHRGANG 1941, FUHR KNAPP FÜNF JAHRZEHNTE ZUR SEE. 2004 RETTETE ER 37 FLÜCHTLINGE AUS DEM MITTELMEER, WURDE DESHALB ANGEKLAGT UND GING FAST IN DEN KNAST. SEIT FÜNF JAHREN IST ER ZUWANDERUNGSBEAUFTRAGTER DES LANDES SCHLESWIG-HOLSTEIN. IM ANKERHERZ BLOG BERICHTET ER AB SOFORT VON SEINEM LEBEN UND SEINER ARBEIT.

 

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