KAPITÄN SCHMIDT: Prinz Philip und die “Titmouse”

Prinz Philip, der Gatte der Queen, hat mit 95 Jahren angekündigt, in Rente zu gehen. Ich mag ihn und seinen schwarzen Humor, der ihm den Spitznamen „König der Fettnäpfchen“ einbrachte. Bundeskanzler Helmut Kohl begrüßte er beim Staatsbesuch mit „Willkommen, Herr Reichskanzler“. Philips Sprüche sind legendär. In Schottland fragte er mal einen Fahrlehrer: “Wie schaffen Sie es, die Leute hier so lange vom Suff abzuhalten, dass sie eine Fahrprüfung bestehen können?” Als man ihm bei einer Filmpremiere den Chef eines Privatsenders vorstellte, sagte er trocken: “Ach, Sie sind verantwortlich für den ganzen Mist auf Channel 4!”

Ich durfte ihn 1982 kennenlernen, als er mit der Queen Kiribati besuchte, wo ich seinerzeit Leiter der Seemannsschule war. Vor dem Besuch kam erst der Haushofmeister Haseltine aus London und hat uns beigebracht, dass man Phillip mit “Your Royal Highness” anredete. Im Laufe des Gesprächs dann als “Sir”. Die Queen redet man korrekt mit „Your Majesty“ an, danach mit “Madam“.

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Cocktailparty bei Prinz Philip

Abends wurden wir auf ihr Schiff „Britannia“ zur Cocktailparty eingeladen. Die Queen begrüßte jeden Gast mit Handschlag, sie trug dabei Handschuhe. Ich mochte Philip. Er war total locker und sagte mir im Gespräch, dass er ja Ehrenvorsitzender der Umweltschutzorganisation WWF sei. In diesem Jahr sei die “Titmouse” Vogel des Jahres (übersetzt: Meise). Ein Tier mit solch einem Namen könne man doch unmöglich aussterben lassen!

Die Party fand auf dem Oberdeck satt. Auf dem Achterdeck spielte die Königliche Gardekapelle alte Posthornsignale aus England, wie Philip mir erklärte. Ich habe selten so etwas Beeindruckendes erlebt. Fotos durfte ich an Bord leider nicht machen.

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Nach Kiribati besuchten die Queen und ihr Prinz die Salomonen und auch von dort ist ein Spruch Philips überliefert. Als man ihm mitteilte, dass die Bevölkerung jährlich um fünf Prozent wachse, sagte er:

“Die sind wohl verrückt geworden.”

KAPITÄN STEFAN SCHMIDT, JAHRGANG 1941, FUHR KNAPP FÜNF JAHRZEHNTE ZUR SEE. 2004 RETTETE ER FLÜCHTLINGE AUS DEM MITTELMEER, WURDE DESHALB ANGEKLAGT UND GING FAST IN DEN KNAST. SEIT FÜNF JAHREN IST ER ZUWANDERUNGSBEAUFTRAGTER DES LANDES SCHLESWIG-HOLSTEIN. SCHMIDT HAT DREI ERWACHSENE SÖHNE UND LEBT IN LÜBECK. IM ANKERHERZ BLOG BERICHTET ER VON SEINEM LEBEN UND SEINER ARBEIT.

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