KAPITÄN SCHWANDT: 80 Sommer. Freundschaft

Bevor Kapitän Schwandt erkrankte, arbeiteten wir an einem neuen Buch. „80 Sommer“ sollte es heißen. Ein Buch, in dem es nicht um Politik ging, sondern um das ganz normale Leben. Ein Buch über die Erfahrung von 80 Jahren, von „80 Sommern“, man könnte sagen: Ein Logbuch, wie man durch die Stürme des Alltags kommt und seine Klippen umschifft. Ein klassischer Ratgeber sollte es nicht sein – „dafür habe ich selbst zu viele Fehler gemacht“, meinte Schwandt. Eher eine Orientierungshilfe, ein Kompass.

Inspiriert war die Idee zu „80 Sommer“ von hunderten, tausenden Mails und Nachrichten, die im Laufe der Zeit in den Sozialen Medien und im Verlag eintrafen. Fragen zu familiären Angelegenheiten, zu Problemen in der Ehe, zu Schwierigkeiten in der Familie. Wir mussten die Nachrichten-Funktion der Seite abschalten, weil es einfach zu viele wurden – an einem Wochenende erreichten uns einmal mehr als 500 solcher Fragen.

„Ich bin ja fast der Kummerkastenonkel“, hatte Kapitän Schwandt gewitzelt.

Kapitän Schwandt auf den Aland-Inseln // Foto: Andree Kaiser

80 Sommer – was im Leben wirklich zählt

Wie immer, wenn wir an einem Buch arbeiteten, unternahmen wir eine Seereise. Nach Finnland, auf die Aland-Inseln, wohin Schwandt vor mehr als 60 Jahren als Schiffsjunge gereist war.

Wo alles begann, wollten wir darüber reden, welche Erfahrungen am Ende eines Lebens wirklich zählen.

Nun ist Kapitän Schwandt schwer erkrankt. „80 Sommer“ wird es nicht geben. Doch wir haben uns gemeinsam mit ihm entschieden, manches aus den Texten und dem Material, das wir bereits erarbeitet haben, hier in seinem Blog und auf Facebook zu veröffentlichen. Kurze Antworten, Fragmente, Texte, Collagen – was es bereits gibt.

Vielleicht hilft es dem einen oder anderen.

Das erste Thema, um das es gehen soll, ist die Freundschaft. In regelmäßigen Abständen gibt es neue Folgen – spätestens an jedem der kommenden Sonntage.

Text: Stefan Kruecken // Ankerherz  +++ Fotografie: Andree Kaiser.

 

80 SOMMER – Freundschaft.

Was macht eine gute Freundschaft aus?

Kapitän Schwandt: „Voraussetzung ist natürlich die gleiche Wellenlänge. Man muß sich mögen, sich sympathisch finden. Es geht darum, sich auf einen Freund verlassen zu können. Zuhören, zwischen den Zeilen lesen. Sich Respektieren: Man muss unbedingt die eigenen Grenzen und die des Freundes beachten. Nicht insistieren, wenn es einen heiklen Punkt gibt. Humor von beiden Seiten ist für mich unabdingbar. Mit humorlosen Menschen kann ich nichts anfangen. Dabei kann man durchaus unterschiedliche Positionen vertreten, auch eine harte Diskussion führen, sei es über Politik, Religion oder Gesellschaft.

Bei einer guten Freundschaft steht am Ende immer der Konsens. Hat der Freund eine empfindliche Stelle, dann bitte: nicht darin herumbohren.“

 

Wie hält eine Freundschaft?

„Sie muß über viele Jahre wachsen, sich bewähren, in guten wie in schlechten Zeiten. Gerade in schlechten Zeiten trennt sich die Spreu vom Weizen. In solchen Situationen muß ich mich auf einen Freund verlassen können. Er darf mich ruhig nachts um 03.00 Uhr anrufen und in einer Notsituation um Hilfe bitten, ich würde es ihm übelnehmen, wenn er es nicht täte. Das Gleiche gilt natürlich umgekehrt. Das muß zur Selbstverständlichkeit werden. Einen solchen Zustand zu erreichen, dauert aber ein paar Jahre.“

Wie pflegt man eine Freundschaft?

„Man muss Kontakt halten über Raum und Zeit. Sich regelmäßig treffen, sich Zeit nehmen dafür, auch wenn es manchmal mühsam ist oder anstrengend. Gemeinsame Interessen haben oder entwickeln. Die Familie des anderen akzeptieren und respektieren. Natürlich bleiben, sich so geben, wie man ist, keine Imagepflege wie nach außen. Spontan ohne Nachdenken sagen können, was man denkt in dem Bewußtsein, daß es der Freund nicht übelnimmt. Unvereinbarkeiten von Standpunkten akzeptieren. Und auch nach einem Streit: Sich trotzdem weiterhin als Freunde fühlen.“

 

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