KAPITÄN SCHWANDT: Auf dem linken Auge blind?

Mir wird manchmal vorgeworfen, dass ich unter einem Sehkraftverlust auf meinem linken Auges leide.

Das ist nicht richtig, ich sehe links genauso gut wir rechts. Ich las in der Zeitung, dass Unbekannte mehrere Anschläge auf Büros, Fahrzeuge und Firmen von Politikern der AfD Leipzig verübt haben. Überall im Lande häufen sich solche Übergriffe. Bin ich auf dem „linken Auge blind“? Nein. Ich verurteile das.

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Spirale der Gewalt

Ich denke: Damit wird eine Spirale der Gewalt in Bewegung gesetzt, die irgendwann nicht mehr zu stoppen ist. Jede Form von Extremismus führt zur Gewalt und verhindert, dass Menschen miteinander sprechen. Nur wenn man miteinander unter Beachtung einer zivilisierten Streitkultur redet, kann man eine sachliche Diskussion führen. Wir sollten nicht vergessen, dass es bei der AfD einen durchaus konservativen, liberalen Flügel gibt, der zur sachlichen Diskussion bereit ist. Auch wenn es leider so ist, dass Anhänger der AfD oft schnell polemisch reagieren und die Parteispitze häufig eine Sprache der Gewalt benutzt – wir sollten weiterhin den Dialog suchen.

Ich erinnere mich an meinen Vater, der mir stolz (!) von den Strassenkämpfen der dreißiger Jahre erzählte, Kommunisten gegen Nazis. Dabei wurden auch Schußwaffen eingesetzt. So etwas kann heute kein Mensch wollen. Beide extremen Flügel, links wie rechts, fordere ich auf, wieder zur Sachlichkeit zurückzukehren. Wir leben in einem Rechtsstaat, nicht in einem Urwald, in dem der körperlich Stärkere Recht behält.

Wir wollen hier keine Verhältnisse wie in der Weimarer Republik.

Jürgen Schwandt, Jahrgang 1936, wuchs in Sankt Georg auf. Er fuhr jahrzehntelang zur See und lebt heute in Hamburg. Gerade erschien seine Biographie „Sturmwarnung“.

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