KAPITÄN SCHWANDT: Auswandern wegen AfD-Höcke

Ich werde in einigen Wochen 80 Jahre alt, doch ich habe überlegt, auszuwandern. Der Grund heißt Bernd Höcke (AfD), dieser Westentaschen-Goebbels aus Thüringen. Bei seinen Auftritten in Erfurt klingt er immer so, als wolle er die Sportpalast-Rede imitieren, und was er diesmal von sich gab, war für mich der Tiefpunkt der Woche. Die AfD werde irgendwann „Kanzlerpartei“, fabulierte er. Eine Mischung aus Größenwahn und Klamauk, und alleine die Aussicht auf die Regierung der AfD würde bei mir eines bewirken: Die Fahrt zum Hafen. Auf ein Schiff, einfache Fahrt, irgendwo hin: „In Hamburg sagt man Tschüs.“

Soweit wird es natürlich nie kommen. Aber es ist mir unbegreiflich, wie diese selbsternannte Alternative, gegen deren Programm jede Scheißhausparole auf Sankt Pauli wie ein politisches Großkonzept wirkt, nach den Prognosen für die Landtagswahlen Ergebnisse von bis zu 20 Prozent erwarten kann. Eine Partei, die an niedere Instinkte appelliert, den Schießbefehl gegen Flüchtlinge ausgibt, gegen Minderheite hetzt und deren Sprecher Gauland noch in dieser Woche forderte, „sich nicht von Kinderaugen erpressen zu lassen.“ Herzlos, konzeptlos, kopflos – das ist für mich die AfD, die unser Land, das von offenen Grenzen und der Kreatitvität der Welt lebt, in den Abgrund stürzen würde. Die geistige Grundlage für das, was wir als Schande von Clausnitz und Bautzen erleben mussten, hat dieses Panoptikum geschaffen.

 

Hoecke_Kapitän Schwandt

Jedes Fischbrötchen auf den Landungsbrücken hat mehr Empathie als Höcke, der allen Ernstes seine Forderung wiederholte, Kanzlerin Merkel den Prozess zu machen. Als er aufrief, die Sanktionen gegen Russland aufzuheben, skandierten die Zuhörer nach Medienberichten „Putin, Putin!“ Einen Mann anzufeuern, der in Aleppo Krankenhäuser bombardieren lässt, um noch mehr Flüchtlinge in Bewegung zu setzen – das geht nur bei der AfD. Ausdrückliches Lob fand „Crazy“ Horst Seehofer, den Höcke aufrief, die Koalition zu verlassen, um den „Unrechtsstaat“ zu beseitigen. Sie lesen richtig: Unrechtsstaat.

Respekt für die Flüchtlingshelfer!

Nach Angaben der AfD waren mehr als 7000 Teilnehmer gekommen. Neutrale Beobachter zählten hingegen 1200. Vielleicht hat Höcke die Zähler aus den Altbeständen des ADAC übernommen. Was mich freut: Es gab wieder (friedliche) Gegendemonstraten. Wir sollten nicht den Fehler begehen, nach den Ereignissen der vergangenen Wochen alle Sachsen und Thüringer unter Pauschalverdacht zu stellen. Es gibt auch in den neuen Bundesländern viele, viele Flüchtlingshelfer, die in diesem extrem schwierigen Umfeld unauffällig humanitäre Hilfe leisten. Trotz massiver Anfeindungen, von denen Sie mir auf meiner Facebook-Seite erzählen. Sie alle verdienen unsere uneingeschränkte Hochachtung. Bei ihnen bedanke ich mich.

 

Jürgen Schwandt, Jahrgang 1936, wuchs in Sankt Georg auf. Er fuhr jahrzehntelang zur See und lebt heute in Hamburg. Seine Biographie “Sturmwarnungen” wurde ein SPIEGEL-Bestseller.

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5 comments

Ich werde noch nicht achterraus segeln, noch nicht !!! Hier zieht keine Versicherung, zusammenhalten, Leck stopfen, Wasser lenzen und weiter geht die Fahrt ... zu viel Verantwortung für so viele hilflose Passagiere. Von mir bekommen die keine Basis, von der aus sie sich verbreiten können. Wehret den Anfängen!!!
Michael Richdale on Mrz 17 2016
Höcke ist nichts und er kann nichts, er kann nicht mal rechnen. Wenn Crazy Horst die Koalition verlässt, dann passiert - nichts. Niemand braucht die CSU. So wie niemand Höcke braucht und auch nicht seine NP... äh AfD. Ein kleiner, größenwahnsinniger Gymnasiallehrer aus Nordhessen, der es im Leben zu genau nichts gebracht hat - wer braucht den?
Reinhard Greulich on Feb 29 2016
Ja, da haben Sie ausgesprochen Recht! Wohin bloß?
Heinz-Peter Bross on Feb 28 2016
Das Wohin beim Auswandern ist die eine Sache (und in der Tat sind alle Optionen schwierig). Viel wichtiger ist es allerdings in der Tat, hierzulande die Verhältnisse zu verbessern. Das ist leider keine einmalige Anstrengung, sondern wohl eher das, womit ein suchtkranker Mensch jeden Tag zu kämpfen hat: Die Gefahr, rückfällig zu werden. Nach den Katastrophen der 1990er Jahre dachten wir, dass Rassismus und Rechtsextremismus überwunden seien. Aber wie wir jetzt lernen müssen, bedarf es nur eines recht geringen Anstoßes, um all das wieder nach oben zu bringen und "rückfällig" zu werden. Eine humane Gesellschaft zu formen und zu erhalten ist eine dauerhafte Aufgabe, bei der es immer wieder Rückschläge geben wird. Aber das Ergebnis, wenn man es nicht versucht, will ich mir nicht vorstellen.
ein anderer Stefan on Feb 28 2016
Ich bin fast immer bei ihnen. Aber wenn etwas über das Auswandern lese, fange ich doch an zu rätseln. Ja wohin denn bitte? In die USA im Endstadium mit womöglich bal Trump als Präsident? Putins Russland? Orband Ungarn? Oder eines der andern bald durchorbanisiertes osteuropäisches Land? Le Pens Frankreich? Zentralafrika, wo sie knapp davor sind, Schwule per Gesetz zu töten? Kolumbien oder Mexiko, wo es Regionen gibt, die wegen der Drogenkartelle lebensgefährlich sind? Japan, wo der Druck keine Entfaltung zulässt? China? Indonesien? Das Finnland der Wahren Finnen? Syrien? Irak, Pakistan? Afghanistan? Kasachstan, wo sogar meine nicht-systemkonformen Mitwikipedianer bedroht werden? Brasilien, das den Regenwald zerstört und die letzten Ureinwohner vertreibt? Griechenland, wo man sich nicht mehr die Medikamente leisten kann? UK, wo man vielleicht noch vor der Operation stirbt, weil das Gesundheissystem marode ist? Und in Neuseeland lassen sie wohl 80jährige Übersiedler nicht mehr rein, könnte ja Kosten verursachen. Machen wir uns nichts vor - selbst jetzt ist Deutschland noch einer de besten Orte zum Leben. Was uns ganz besonders animieren sollte dafür zu sorgen, daß das nicht so bleibt, sondern auch wieder und dann immer besser wird!
Marcus Cyron on Feb 27 2016

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