KAPITÄN SCHWANDT – Bahnstreik

Ich bin ein alter Seemann, Hanseat und oute mich hiermit als Sozialdemokrat. An dieser Stelle verkneife ich es mir, darüber nachzudenken, ob es für das heutige SPD-Spitzenpersonal, für diesen tropfenförmigen Gabriel oder Frau Nahles, die mich an eine chronisch miesgelaunte Erdkundelehrerin erinnert, unter Willy Brandt zur Mitarbeit im Büro gereicht hätte. Ich vermute, nicht mal zum Briefmarkenanlecken. Ich habe nichts gegen Streiks, im Gegenteil. Streiks sind wichtig und intakte Gewerkschaften braucht es, um Arbeitgeber an etwas zu erinnern, dass man früher „soziale Verantwortung“ nannte. Hebammen, Kindergärtnerinnen, Krankenschwestern, Seeleute, Polizisten – sie alle leisten einen wichtigen Beitrag fürs Allgemeinwohl, bekommen dafür aber zu wenig Lohn und Anerkennung.

Doch was diese sogenannte „Gewerkschaft der Lokomotivführer“ treibt, macht mich sauer. Eine Mini-Interessenverband stürzt mit einem Bahnstreik ein ganzes Land tagelang ins mittlere Chaos, und dies bereits zum achten Mal, wenn ich richtig mitgezählt habe. Nun ist es ja richtig, dass man Leute, um auf ein Problem aufmerksam zu machen, aus der Komfortzone holt. Veränderungen lassen sich selten herbei streicheln. Aber dermaßen rücksichtlos die eigenen Interessen durchzuprügeln? Auf Kosten der Passagiere?

Die Menschen haben ein gutes Gespür, worum es geht: Um die Machtgelüste des GDL-Vorsitzenden Claus Weselsky, dem inzwischen selbst gesittete Omas in den Briefkasten spucken möchten. Der Mann hat es geschafft, innerhalb weniger Monate einen Sympathiewert zu erreichen, der irgendwo zwischen Darth Vader und dem griechischen Finanzminister pendelt. Sollte seine Mission sein, als unbeliebtester Deutscher des neuen Jahrtausends prämiert zu werden, kommt der Mann mit dem sächsischen Akzent gut voran. Es steckt eben eine Menge Esel in WESELsky. Ich wünsche ihm, dass er bald abgesetzt wird und nur noch daheim mit seiner Lego-Lok Streik spielen kann.

Auf keinem guten Weg sind Millionen Bahnreisende, und mir tun auch jene Leid, die sich auf verstopften Autobahnen Richtung Hamburger Hafengeburtstag quälen. Es ist wieder soweit, zum 826. Mal. Gedränge auf den Piers und Docks und im Hafenbecken, eine große Kirmes. Für mich ist das eigentlich nichts. Mein Tipp: Fahren Sie mal runter zu den Landungsbrücken, wenn der Zirkus vorbei ist. Nippen Sie an einem schwarzen Kaffee und sehen Sie den Schiffen hinterher. Kann ungemein entspannen.

1 comment

Der Mann spricht mit aus der Seele!
Bernhard Jungmichel on Mai 17 2015

Leave A Comment