KAPITÄN SCHWANDT: Das Beste aus 100 Kolumnen

Alles begann mit einer Kolumne zum Hafengeburtstag in Hamburg – und einem typischen Kommentar des alten Käptens. „Achten Sie mal darauf: Je kleiner das Boot, desto größer der „Labskaus“ mit goldenen Stickereien und Abzeichen ans der Mütze des Schippers“, endet der erste Beitrag des Seemanns in der Hamburger Morgenpost.

Es war der Beginn einer Liebesbeziehung der Hamburger – und nicht nur der Menschen im Norden – zu „ihrem Kapitän“. Mehr als 50.000 Fans zählt seine Facebook-Seite, jede Woche treffen hunderte Nachrichten und Dutzende Einladungen für ihn im Verlag ein. Kapitän Schwandt, 79, war Gast in der Talkshow von Frank Elstner und muss auf der Straße manchmal Autogramme geben. „Ein Leben ohne seine Kolumne ist möglich, macht aber keinen Sinn“, schrieb ein Leser. Oder, wie es Frank Niggemeier, Chefredakteur der MOPO, auf den Punkt bringt: „Kapitän Schwandt ist die knorrige Eiche im Sturm der Oberflächlichkeit.“

Nordisch klar, nicht immer politisch korrekt, aber immer mit einem Augenzwinkern und einem großen Herz für Schwache und die „kleinen Leute“ – das zeichnet die Kolumnen des Seemanns aus.

Seine Fans lieben seine knackigen Sprüche. Eine Auswahl:

 Über eine Initiative gegen ein Flüchtlingsheim im feinen Hamburg-Harvestehude:

Demnächst werden Frau Zahnärztin und Herr Immobilienmakler wieder Geld für Bedürftige in Not sammeln, zu Dinners einladen, für den guten Zweck Golfen oder Polo spielen. Für arme Allergiker in Peru oder blinde Katzen in Malawi. Hauptsache aber: Peru bleibt in Peru und die Katzen in Malawi.“

Über das Alter:

„Auf Reisen gleicht mein Koffer einer rollenden Apotheke, und morgens braucht es seine Zeit, bis die Mühle startklar ist: Blutzucker messen, Medikamente schlucken, Hörgeräte einsetzen, Lesebrille bereitlegen, Bandage übers Knie. Walzer geht nur noch rechts herum, Baby, auf links dreht das Holzbein raus.“

Über eine missratene Gruppenreise:

„Unser Schiff wurde von mehreren Bussen begleitet, in die wir alle zwei Stunden umstiegen, um Schlösser zu besichtigen. Und Kathedralen. Römische Trümmer. Die Reiseleiterin beschallte uns mit Jahreszahlen, in einer Lautstärke und Taktung, dass sich die Nordkoreaner nach dieser Foltermethode erkundigen werden.“

Über seltsame Kindernamen:

„Was kann aus solchen Kindern werden? Dass Jungen, die „Kevin“ heißen, von Lehrern verdächtigt werden, von Natur aus hohl zu sein, ist ebenso bekannt wie das Phänomen der „Chantalisierung des Abendlandes“: „Chantal, tuste ma der Oma winken?“ Wenn der Vorname einiges über die gesellschaftliche Herkunft seines Trägers verrät – was sagt uns das über „Verleihnix Waldmeister“ (von den Behörden genehmigt)? Nix Gutes. Dein Weg, mein lieber Sioux (genehmigt), wird ein steiniger sein.“

Über die AfD:

„Ich werde in einigen Wochen 80 Jahre alt, doch ich habe überlegt, auszuwandern. Der Grund heißt Bernd Höcke (AfD), dieser Westentaschen-Goebbels aus Thüringen. Bei seinen Auftritten in Erfurt klingt er immer so, als wolle er die Sportpalast-Rede imitieren, und was er diesmal von sich gab, war für mich der Tiefpunkt der Woche.“

Das Meer lässt den Kapitän, der Jahrzehnte auf dem Wasser verbrachte, nicht los. Und immer, wenn der Kapitän auf See hinaus fährt, gibt es – als sei dies ein Naturgesetz – einen heftigen Sturm. Zu seiner Freude – und zum Leidwesen seiner Begleiter. Stefan Kruecken (Ankerherz) und Fotograf Andree Kaiser waren dabei, als es auf dem Weg nach Kopenhagen (Kreuzfahrt Heimathäfen) und auf der Rückreise von Klaipeda („Truckerfähre“) ordentlich schaukelte. Höhepunkt aber war ein Orkan auf dem Nordatlantik, zwischen den Färöer-Inseln und Island, wo wir an den letzten Feinheiten für Schwandts Biographie „Sturmwarnung“ arbeiteten.

„Je heftiger, desto besser“, sagt Kapitän Schwandt. „Wenn es richtig kracht, fühle ich mich zu Hause.“

STURMWARNUNG, die Biographie von Kapitän Schwandt, erscheint am 14. April. Sie kann hier vorbestellt werden.

1 comment

Freu mich schon auf den 14. in der Haifischbar! Bin froh, daß ich mit 78 nicht allein im "Netz" rumschwimme und daß wir - der Käpt'n und ich - zumindest politisch in dieselbe Richtung schwimmen!
Ankatrin Bär Bel Grundke on Apr 01 2016

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