KÄPT`N SCHWANDT: Hollywood beim Zoll

Vor kurzem spazierte ich abends durch den Hafen, als eine Rußwolke über mir niederging, die ein Schiff an der Kai in den Himmel spuckte. „Sauerei“, dachte ich, und sah mir daheim den Schiffsnamen an. Die Behörden hatten den Stinker an die Kette gelegt, weil die Crew in der Deutschen Bucht die Tanks illegal gewaschen und die Brühe in die Nordsee eingeleitet hatte. Ich dachte sofort an meine Zeit beim Wasserzoll, als es zu meinem Job gehörte, solche Umweltsünder zu jagen.

„Hamburg“ hieß das Schiff, mit dem wir jeder Ölspur nachsetzten, ausgestattet mit drei Schrauben, 32 Knoten schnell. Ich mochte diese Zeit, nicht ganz so sehr wie die Seefahrt, aber immerhin. Alle Kollegen waren ehemalige Seeleute, keine Krawattenträger mit Beamtenlaufbahn, und das war gut so. Am Ende war ich Chef des Wasserzolls und für sieben Stationen zuständig. Meine Gewohnheit war es, unangemeldet aufzukreuzen und einfach mal mitzufahren. Auf diese Art waren die Jungs immer wachsam und motiviert – und ich hatte meinen Spaß. Zu unseren „Kunden“ gehörten Drogenschmuggler und Fischer, die mit illegalen Netzen arbeiteten. Die Schmuggler fuhren, wenn wir sie erwischten, in den Knast ein, die Fischer fuhren mit der Bahn nach Hause.

Großes Kino beim Zoll

Einmal wurde ich als „Filmstar“ tätig, Mitte der 1980er Jahre. Ein Dreiteiler fürs Abendprogramm wurde gedreht, es ging um Rauschgift, und man hatte einen ganzen Frachter dafür gemietet. Mehr als 40 Leute gehörten zur Crew, Maske, Requisite, großes Kino. Die Story, die wir filmten, hatte etwas von James Bond für Arme:  Über London kam der Stoff aus Pakistan nach Hamburg und war in mannshohen Tonfiguren versteckt, eine ziemlich wilde Geschichte.

Ich war eigentlich als Berater am „Drehort“, doch als der Regisseur mich sah, rief er: „Sie brauchen wir!“ Ich spielte mich selbst, als Leiter der „Schwarzen Gang“. Die Oberfinanzdirektion genehmigte den Auftritt. Was dann geschah, war weniger glamourös, als ich es mir vorgestellt hatte. Mein Auftritt bestand darin, die Lotsenleiter an der Bordwand hoch zu klettern. Gar nicht ungefährlich und ziemlich anstrengend. Jedesmal, wenn ich oben ankam, brüllte der Regisseur: „Noch mal!“ Wie jetzt, noch mal? Wie kann man falsch eine Leiter hochklettern? „Zur Sicherheit“, meinte er. Man kann nicht sagen, dass es auf dieser Karriereleiter bergauf ging.

Am Ende der TV-Serie verhaftete ich die Bösewichte mit gezogener Waffe. Unrealistisch, ich habe die Knarre in Realität nie gebraucht. Als Lohn überwies man mir ein Honorar: 100 D-Mark, was sofort die Sesselfurzer der Oberfinanzdirektion alarmierte. „Unerlaubte Nebeneinkunft“, monierten sie. Wir sind dann mit den Kollegen Schnitzel essen gegangen. Soviel Hollywood musste sein.

Jürgen Schwandt, Jahrgang 1936, wuchs in Sankt Georg auf. Er fuhr jahrzehntelang zur See und lebt heute in Hamburg. 

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