KAPITÄN SCHWANDT: Ein Brexit gegen die Jungen

Es ist eine Nachricht, die mich aufschreckt und die ich auf meine alten Tage nicht für möglich hielt: Die Briten verlassen die Europäische Union. Der “Brexit” ist Wirklichkeit geworden. Ich hatte gedacht, dass das Konzept des Nationalen endgültig der Vergangenheit angehört. Als Vertreter meiner Generation weiß ich, wie schlecht dieses Konzept ist und wo es hinführen kann. Im Jahre 2016 diskutieren wir wieder über Dinge, die längst überwunden schienen.

Ich finde es traurig.

Und mir bereitet diese Entwicklung große Sorgen. Als wir mein Buch „Sturmwarnung“ nannten, bezog sich dies nicht nur auf die Stürme auf See, sondern auch auf die politischen Stürme unserer Zeit. Dass sich diese Stürme so rasant zu einem Orkan zusammenbrauen, hätte ich nicht erwartet.

Schwandt Brexit

Welche Auswirkungen wird es haben? Wir können es noch nicht abschätzen, doch es steht zu befürchten, dass die rechten und linken Populisten überall die Situation auszunutzen werden. In vielen Ländern – auch bei uns – drohen Errungenschaften einkassiert zu werden. Zurück zur „Kirchturmpolitik“, zurück zum Kleinen. Wir blicken zurück und verklären: Früher waren wir einmal wer, angeblich. Wir gefährden damit unseren Frieden und auch unseren Wohlstand. Fällt der Westen auseinander?

Brexit: Die Jugend war dagegen

Was mich ratlos und auch wütend macht: In Großbritannien waren es mehrheitlich die Alten, Menschen über 65, die mit großer Mehrheit für den Brexit gestimmt haben. Die Jungen wollten mehrheitlich bleiben – und sie müssen nun mit den Folgen klar kommen. Dass es ausgerechnet Bürger meiner Generation sind, die für den Brexit stimmten, begreife ich nicht! Wir haben doch hautnah erlebt, welch großartige Folgen die EU hatte. Frieden, Wohlstand, Abschaffung der Grenzen. Wer Europa nur an behördlich vorgeschriebenen Krümmungen von Bananen festmachen will oder irgendwelchem anderem bürokratischen Irrsinn, der hat doch immer noch nicht verstanden, worum es geht.

Dies macht mir ein wenig Hoffnung: Die Jungen scheinen begriffen zu haben. Ihnen gehört die Zukunft.

 

Jürgen Schwandt, Jahrgang 1936, wuchs in Sankt Georg auf. Er fuhr jahrzehntelang zur See und lebt heute in Hamburg. Gerade erschien seine Biographie „Sturmwarnung“.

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Dazu muss man aber auch feststellen, dass die jungen weit überwiegend gar nicht abgestimmt haben. Jetzt ist der Katzenjammer groß. Die Befürworter des Brexits haben die Menschen schlicht belogen, allen voran Farage. Viele fühlen sich jetzt betrogen - das ist zwar richtig, aber sich andererseits bei so einer wichtigen Frage nicht selber zu informieren, ist fahrlässig. In einem wichtigen Punkt wird die EU zu recht kritisiert: Sie ist undemokratisch. Die Kommission wird nicht vom EU-Parlament gewählt, die Kommissare werden direkt von den Ländern ernannt. Was gleichzeitig enthüllt, wie scheinheilig die Kritik nationaler Politiker an der EU ist...
ein anderer Stefan on Jun 27 2016
Die "Alten", die "Jungen" ...... es waren die autoritären Nationalisten jeglichen Alters
Walter Cremer on Jun 24 2016

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