KAPITÄN SCHWANDT: G20 und Trump in Hamburg

Eben klingelt das Telefon und am anderen Ende meldet sich eine vertraute Gewitterstimme. „Mich regt der Kerl auf! Lass uns etwas schreiben zum Besuch von Donald Trump in unserer Stadt“, sagt Kapitän Schwandt. Der Besuch des „Horrorclowns“ (Hamburger Morgenpost) beim G20-Gipfel in Hamburg bringt den alten, kranken Seemann kurz in Wallung und für einen Moment zurück auf die Facebook-Brücke.

Hier ein Blog von der heimischen Krankenstation, aufgeschrieben von Stefan Kruecken (Ankerherz).

„Unser Hamburg ist eine weltoffene, eine tolerante Stadt für alle Gäste, doch ich finde, man muss in diesem Fall „Klare Kante“ zeigen. Ich werde morgen 81 Jahre alt und hätte nicht gedacht, dass ich so etwas noch einmal erlebe: Ein amerikanischer Präsident, der einem Fernsehsender in einer Twitter-Botschaft symbolisch seine Ellbogen ins Gesicht schlägt. Der Medien als „Feinde des Volkes“ beschimpft. Der die Gesetzgebung nicht respektiert. Der aus dem Klimaabkommen, das alle Staaten der Welt mühsam ausgehandelt hatten, einfach austritt wie ein Kind aus der Sandkiste.

Kapitän Schwandt G20 – Protest

Die Politik von Donald Trump ist schädlich für die Welt. Probleme wie der Klimawandel, Fluchtursachen und globale Armut können nur gemeinsam gelöst werden, im Verbund aller Staaten. „America first“, das wird nicht funktionieren. Die USA werden die Folgen zu spüren bekommen in einigen Jahren. Wenn die besten Wissenschaftler gegangen sind, wenn sie den Anschluss in den erneuerbaren Energien verloren haben, wenn sie außenpolitisch isoliert sind.

Wäre ich jünger und gesund, würde ich morgen demonstrieren.

Die ersten Proteste haben mir gut gefallen, bunt, kreativ und vor allem: friedlich. Ich würde gegen Trump und gegen die Politik von Putin auf die Straße gehen. Nicht aber gegen den G20-Gipfel an sich (auch wenn ich mich frage, ob 6000 Teilnehmer wirklich nötig sind). Es ist doch gut, wenn die Regierungschefs, die fast Dreiviertel der Weltbevölkerung vertreten, miteinander sprechen! Wie soll denn Verständigung sonst funktionieren? Und dieses „Hedonistische Cornern“, wie das rumhängen auf öffentlichen Plätzen meint – was für ein Scheiß. Engagiert Euch richtig: Bier trinken, an der Ecke rumlümmeln und dann noch meinen, man unternehme etwas für Gerechtigkeit, was ist das denn? Was für eine Pose, passend für die heutige Zeit.

Ich würde mir eine Demonstration aussuchen, bei der keine Krawallbrüder unterwegs sind. Dass so viele gewaltbereite Extremisten auf dem Weg nach Hamburg sein sollen, macht mir Sorge. Gewalt ist kein Mittel. Gewalt ist scharf abzulehnen. Ich hoffe, dass alle Polizisten gesund nach Hause kommen. Dass sie nervös sind, kann ich verstehen. Wer möchte mit ihnen tauschen? Wir sollten ihnen einen Vertrauensvorschuss geben. Ohne die Gefahr von tausenden Autonomen gäbe es mehr Spielraum für die Demonstrationen.

Eine Hoffnung verbindet alle Hamburger. Dass der Gipfel friedlich abläuft und von unserer Stadt vielleicht neue Impulse ausgehen. Trump soll mit einer klaren Botschaft nach Hause fahren: G2o? Geh’ zum Teufel.

JÜRGEN SCHWANDT, JAHRGANG 1936, WUCHS IN SANKT GEORG AUF. SEINE BIOGRAPHIE “STURMWARNUNG” WURDE EIN GEFEIERTER SPIEGEL-BESTSELLER. WEGEN EINER SCHWEREN ERKRANKUNG ZOG SICH SCHWANDT IM HERBST 2016 AUS DER ÖFFENTLICHKEIT ZURÜCK.

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