KAPITÄN SCHWANDT: Hochzeit

Ich mag es, wenn sich Paare das Versprechen der Ehe geben. Die Liebe mit viel Schmackes zu feiern, ist eine feine Sache, da bin ich ganz altmodisch. Nichts geht über eine schmalzige Hochzeit und ein rauschendes Fest. Was mich allerdings irritiert, ist der Drang mancher Leute, daraus ein „Event“ machen zu müssen. Kitsch in Las Vegas ist Kinderkacke dagegen: Manche heiraten auf zwei Motorrädern, mit Elvis-Imitatoren in Graceland, mit Skorpionen im Mund, auf dem Rücken eines Elefanten im Urwald, mit einem Delfin im Nichtschwimmerbecken, in einer U-Bahnstation („die ewige Treue“ heißt) oder auf einem Baukran in München. Ganz Verwegene haben sich in einer Straßenbahn getraut, in Kassel, und auf die Idee muss man auch erst mal kommen.


Heiraten kann man heute in allen Elementen. In einem Segelflugzeug beispielsweise, wobei der Pastor selbst am Steuer sitzt. Angeboten werden Hochzeiten im Fallschirmsprung – als Ja-Wort genügt dann ein einfaches Nicken. Die Symbolik passt, denn rein statistisch wird jede zweite Ehe wieder geschieden: Von der ersten Sekunde befindet sich die Angelegenheit im freien Fall. Sollte sich der Schirm verheddern, ist der Pastor auch gleich zur Stelle, wie praktisch. Deutlich gemütlicher geht es in einem fahrenden Heißluftballon zu, was für Menschen mit Höhenangst nicht unbedingt ratsam ist. Verliert das Ding über schwierigem Terrain an Höhe, gibt es endlich eine Gelegenheit für Schwiegermutter, sich nützlich zu machen. Jeder muss im Leben irgendwann Ballast abwerfen. In Hamburg sagt man: „Tschüs“.

Willkommen in der Mine, Junge

Die Betreiber eines schwedischen Silberbergwerks bieten an, tief unter der Erde „Ja“ zu sagen. Für manchen Gatten gleich ein vertrautes Gefühl: Willkommen in der Mine, Junge. Unter Wasser und in voller Tauchermontur das Versprechen zu geben bietet den Vorteil, dass sich niemand Gedanken über die Wahl des Hochzeitskleides machen muss und die Trauzeugen ruhig die Eheringe vergessen können. Sich anschließend aus dem Neoprenanzug zu pulen, ist hingegen weniger sexy.
Beliebt sind Hochzeiten auf alten Leuchttürmen, wie romantisch, nur nicht für Asthmatiker und Kettenraucher. Traditionssegler stehen hoch im Kurs, zumindest so lange, wie die See ruhig ist. Sonst wird es eine Zeremonie, die viele Gäste zum Spucken finden. Auf der Karibikinsel St. Lucia geht man einen Schritt weiter: Zur Verfügung steht das Schiff, auf dem Johnny Depp alias Captain Jack Sparrow im Hollywood-Film durch die Gegend schipperte. Bleibt zu hoffen, dass aus dieser Ehe kein „Fluch der Karibik“ wird.
Jürgen Schwandt, Jahrgang 1936, wuchs im Hamburger Stadtteil Sankt Georg auf. Er fuhr jahrzehntelang zur See.

PASSEND DAZU: LEBENSHILFE AUS HAMBURG

 

Jürgen Schwandt, Jahrgang 1936, wuchs in Sankt Georg auf. Er fuhr jahrzehntelang zur See und lebt heute in Hamburg. Gerade erschien seine Biographie „Sturmwarnung“.

Sturmwarnung_Hafen

0 comments

Leave A Comment