KAPITÄN SCHWANDT: Ich bin ein alter Macho

Ich bin ein gelernter Macho, seit meiner Zeit als Matrose. Die längste Reise ging von Südamerika über Europa nach Kanada und dauerte 14 Monate. So lange unterwegs zu sein in einer schwimmenden Männer-WG, mit miserablen Manieren und einem rauen Ton – was soll da rauskommen? Sie schmunzeln jetzt vielleicht, aber lustig ist das nicht immer. Die Seefahrt prägt einen jungen Mann einseitig. Ich habe einige Zeit gebraucht, um in einer jungen Frau nicht nur ein Sexobjekt, sondern auch eine Gesprächspartnerin zu sehen. Heute achte ich auf Manieren: Höflichkeit und kleine Gesten gehören dazu. Einen Stuhl heranschieben, ein nettes Wort. So soll sich ein Gentleman benehmen.

Mit meiner Frau Gerlinde bin ich nun seit 44 Jahren verheiratet. Sie ist ein großartiger Lebenspartner. Sie macht mit mir schon was mit, aber sie hat ein großes Selbstbewusstsein. Aber auch zu Hause gilt: Auf jedem Schiff gibt es nur einen Kapitän. Auf meinem Dampfer bin ich das. Ich glaube auch, dass Frauen, ob sie das zugeben wollen oder nicht, sich einen Macho wünschen. Was heißt denn Macho? Ein Kerl, der eine Meinung hat und für sie einsteht. Nicht diese verständnisvolle Waschlappigkeit, die man heute so oft beobachtet. Warum hat zum Beispiel dieser Henning Baum als „Letzter Bulle“ solch einen Quoten-Erfolg? Genau.

Meine Feinde, die Schlipsträger

Als ich die Seefahrt aufgab und zum Wasserzoll kam, half mir meine direkte Art. Meine natürlichen Feinde saßen in der Oberfinanzdirektion, graue Schlipsträger. Als man auf den Schiffen der Zolldirektion neue Toiletten einbaute, musste auch ein anderes Klopapier bestellt werden. Nun wollte eine dieser sprechenden Büroklammern von mir wissen, wie viel wir denn brauchten? Sparen sollten wir. Kostendruck. Erst glaubte ich einen Scherz, aber er ließ nicht locker. Ich legte also einen Aktenvorgang an. „O“ stand bei uns für Organisation, „P“ für Personal. Ich benannte den Vorgang „K“, wie „Kacken“. Und fragte dann auf dem offiziellen Dienstweg nach, ob ich die Besatzungen der Zollkreuzer zum Testhocken bitten sollte. Es gab nie eine Antwort.

Jürgen Schwandt, Jahrgang 1936, wuchs in Sankt Georg auf. Er fuhr jahrzehntelang zur See und wechselte dann zum Wasserzoll. Schwandt lebt in Hamburg. Seine Biographie STURMWARNUNG wurde ein Bestseller. Neu im Handel: Klare Kante, die Sammlung seiner besten Kolumnen. Beide Bücher gibt es hier bei uns im Shop.

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