KAPITÄN SCHWANDT: In uns wohnt noch immer der Primat

Bernie Ecclestone, Flavio Briatore, Donald Trump, Mörtel Lugner. Eine illustre Runde, mit der ich niemals eine Zigarette rauchen möchte. Eines haben diese Männer gemeinsam: Sie haben sich eine deutlich jüngere Frau „zugelegt“. Auch Schauspieler und gut verdienende Manager tun dies, und in der Öffentlichkeit werden sie dafür milde belächelt. Nie hört man eine ähnliche Stellungnahme zur Rolle der jungen Damen. Was bewegt sie, sich mit einem alten Mann einzulassen?

In uns Allen schlummern sehr viel mehr atavistische Instinkte, als uns bewußt und lieb ist. Früher garantierte der erfolgreichste, stärkste Jäger eines Stammes der Frau Schutz, ausreichend Nahrung und wünschenswerte Gene für ihren Nachwuchs. Nicht zu vergessen: sozialen Status, denn der erfolgreiche Jäger genoß hohes Ansehen. Das war schon bei unseren Vorfahren so, von Primat zu Primat: Der Silberrücken hatte die meisten Weibchen.

Kapitän Schwandt-Donald Trump

Verhalten wie ein Primat

Heute wird der Silberrücken weggewachst, und Stärke definiert sich nicht mehr in erfolgreichem Jagen, sondern in Geld und Macht. Die junge Frau schätzt das Prestige und die Lebensversicherung, in jeder Hinsicht. Natürlich kann auch Liebe im Spiel sein, doch ich glaube auch nicht an den Osterhasen. Dieser Rückfall in Verhaltensweisen der Primaten ist amüsant zu beobachten.

Was wiederum bewegt einen alten Mann, sich mit einer jungen Frau zu schmücken? Er erfreut sich an ihrer Jugend, ihrer Grazie und Anmut, er gefällt sich in der Rolle des Beschützers und Lebensberaters. Außerdem garantieren junge Frauen in der Regel hohe Fruchtbarkeit, ohne dass es ihm bewußt ist. Der Chefarzt einer gynäkologischen Abteilung eines Krankenhauses formulierte es einmal so: „Neue Frau, neues Kind.“ Der alte Mann ist stolz auf seine Zeugungsfähigkeit und merkt nicht einmal, dass er sich lächerlich macht. Abgesehen davon, dass er nach der voraussichtlichen durchschnittlichen Lebenserwartung nicht mehr erlebt, wie die Kinder erwachsen werden. Zu der Zeit, wo sie der väterlichen Führung am meisten bedürfen, liegt er auf den Friedhof.

Seit 43 Jahren verheiratet

Auch ich bin nicht frei von den alten Verhaltensweisen. Begegnet mir eine attraktive junge Frau mit langen Beinen und Haaren im Minirock und High Heels, drehe ich mich nach ihr um. Ich bin 80 Jahre alt, aber der atavistische Instinkt lässt mich so handeln. Bevor sich jemand künstlich aufregt: Ja, mir ist vollkommen klar, wie lächerlich ich mich damit mache! Wenn meine Frau Gerlinde, mit der ich seit 43 Jahren verheiratet bin, das mitbekommt, lächelt sie nachsichtig und fragt:

„Weißt Du eigentlich wie alt Du bist?“

Meine Antwort, „Ja, das weiß ich. Ich bin zwar alt, aber ich bin nicht blind!“

Jürgen Schwandt, Jahrgang 1936, wuchs in Sankt Georg auf. Er fuhr jahrzehntelang zur See und lebt heute in Hamburg. Gerade erschien seine Biographie „Sturmwarnung“

0 comments