KAPITÄN SCHWANDT: Meine Kaffeemaschine sabbelt

Vor kurzem habe ich eine neue Kaffeemaschine gekauft. Sie wissen schon, eines dieser Geräte, die mit ihrem Besitzer kommunizieren können. Ich möchte einfach einen Kaffee ziehen, doch der Automat teilt mir ständig mit, wonach ihm gerade ist. „Tropfenschale leeren“, „Wassertank füllen“, „Bohnen sind alle.“ Eben gab er mir einen Befehl nach dem Anderen, und als er schließlich gereinigt werden wollte, habe ich fluchend den „Aus-Schalter“ gedrückt und zwei gehäufte Teelöffel mit Kaffeepulver in einen Becher geschippt. Wie in den alten Zeiten an Bord.

Ich dachte an Früher, als wir ohne Kaffee gar nicht auskamen. Kaffee war unser Seelentröster, unser Weckmittel, unser Geschmacksverstärker. Wie wichtig er war, will es am Beispiel einer Reise von Hamburg nach Chicago erklären. Hatten wir Kanada erreicht, lief es so: Früh morgens in Montreal Ladeluken öffnen und aufrichten, Ladung löschen, abends Luken schließen, Ladebäume runter, auslaufen. Die ganze Nacht hindurch folgte eine Schleuse nach der nächsten, bis wir morgens in Toronto einliefen, wo die Löscharbeiten begannen. Nachts ging ich wieder Wache, morgens kamen wir in Buffalo an, wo das üblicher Prozedere ablief, wie auch in Detroit, Port Arthur, Milwaukee bis nach Chicago, dem Endpunkt der Reise. Wo wir neue Ladung aufnahmen – und alles von vorne begann.

Ohne Unmengen Kaffee ging das nicht

Schlaf war in diesem Konzept nicht vorgesehen. Schlaf? Wenn wir Glück hatten, bekamen wir in zwei Nächten ein paar Stunden Ruhe, im Jargon „Bauernnächte“ genannt. Ohne Unmengen von Kaffee, der einen durch den Tag brachte, war dies alles nicht zu auszuhalten.

Zurück zur Kaffeemaschine: Ich trinke meinen Kaffee seither immer schwarz und mag ihn stark geröstet, wie in Italien und Spanien. Ich halte es mit einem arabischen Sprichwort, das besagt, wie der perfekte Kaffee zu sein hat: „Süß wie ein Mädchen in der ersten Nacht soll er sein, heiß wie nach einer Woche und schwarz wie die Flüche der Mutter, wenn sie davon erfährt.” So ungefähr jedenfalls geht das Sprichwort, ich habe es, zugegeben, etwas frei interpretiert.

Den besten Kaffee meines Lebens erinnere ich noch gut. Es war am Morgen nach dem schlimmsten Sturm auf dem Nordatatlantik. Der Strom war zurück an Bord und ich genoss jeden Schluck, mit dem Wissen, dass wir überlebt hatten. Ein Becher Kaffee konnte auch ein Seelentröster sein – und ein Türöffner für pfiffige Matrosen. Wir gingen immer zu Dritt Wache, ein Offizier und zwei aus der Crew. Die armen Kerle standen bei kaltem Wind und garstigem Regen auf der Nock der Brücke. Brachten sie mir einen Kaffee mit, ließ ich sie im Inneren der Brücke ihren Dienst verrichten. Ein stilles Abkommen unter Kaffeetrinkern.

Jürgen Schwandt, Jahrgang 1936, wuchs in Sankt Georg auf. Er fuhr jahrzehntelang zur See und lebt heute in Hamburg. Gerade erschien seine Biographie „Sturmwarnung“. Die Becher von Ankerherz gibt es hier.

 

 

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