KAPITÄN SCHWANDT: Die Gaulande der AfD

Ich habe mich mehrfach über die AfD empört, ihre Lügen, ihr rechtspopulistisches Getrommel, ihren Plan, auf Kosten von Flüchtlingen, Muslimen und Minderheiten Unfrieden zu stiften. Nun gibt es einen neuen Tiefpunkt, der mich fassungslos und wütend macht, vor allem vor dem Hintergrund, dass diese Partei in Umfragen für die Landtagswahlen im Frühjahr mit zweistelligen Ergebnissen rechnen kann.

Alexander Gauland, ein ehemaliger CDU-Politiker, dessen Weltbild ganz weit nach Rechtsdraußen gekippt ist, schwadroniert in einer Rede vom „Volkskörper“. Ein Begriff des Dritten Reichs, mit dem Tötungen an „Untermenschen“, an Juden, Homosexuellen, an Sinti und Roma begründet wurden. Auch die Tötung von „unwertem Leben“ hat im Begriff des gesunden Volkskörpers ihre Wurzeln.

Es ist das Jahr 2016, und ein Politiker steht auf einem Platz in Deutschland und verwendet unter dem Johlen der Masse diese Nazi-Rhetorik.

Was mich besonders irritiert: Gauland, der Deutschland ganz offensichtlich wieder in ein „Gauland“ verwandeln will, ist Jahrgang 1941. Er hat am eigenen Leib erfahren, wohin Rechtsextreme das Land gebracht haben. Er sollte gelernt haben.

Während einer anderen Rede in Berlin verglich Gauland Flüchtlinge mit “Barbaren”. Die Flüchtlingssituation sei vergleichbar mit dem Untergang des Römischen Reiches, als „die Barbaren den Limes überrannte.“ In Erfurt sagte er: „Es wird Zeit, dass wir das Schicksal des deutschen Volkes, damit es ein deutsches Volk bleibt, aus den Händen dieser Bundeskanzlerin nehmen.“

Rassenlehre für geistig Verwahrloste

Wessen Geistes Kind diese AfD ist, verrät sie auch in anderen Aussagen: Andre Poggenburg, Landeschef in Sachsen-Anhalt, bezeichnet „Volksgemeinschaft“ als “positiven Begriff“, eine Bezeichnung also, die von Hitlers Chefideologen Alfred Rosenberg geprägt wurde. Während Bernd Höcke in seiner Rassenlehre für geistig Verwahrloste über “lebensbejahender afrikanischer Ausbreitungstyp” doziert – und sich die kalkulierte Entgleisung erlaubt, Kanzlerin Merkel eine direkte Schuld an den Verbrechen der Silvester-Nacht zu geben. Wie er sich aufführt, mit welcher Rhetorik, mit welchem Tremolo, sehen Sie hier. Ich habe ihn in einer Kolumne als „Westentaschen-Goebbels“ bezeichnet.

Es ist unglaublich und beschämend, dass solche Auftritt johlende Anhänger finden. Alle Demokraten sollten nun zusammenstehen.

 

Jürgen Schwandt, Jahrgang 1936, wuchs in Sankt Georg auf. Er fuhr jahrzehntelang zur See und lebt heute in Hamburg.

 

2 comments

Ich mochte Bernd Lucke nie, aber eins muss man dennoch sagen: So rechts wie die AFD jetzt ist, war er nie. (schon Rechts, aber naja) Die Leute Jubeln und mir wirds eiskalt am Rücken.
Maitre Lord Ironfist on Feb 05 2016
Ja, leider ist es schon wieder so weit, dass die Menschen solchen Rattenfängern hinterherlaufen. Gestern war hier in Dresden wieder mal PEGIDA-Demo, mehrere Tausend Teilnehmer. Ich habe zwei Flaggen der https://de.wikipedia.org/wiki/Identit%C3%A4re_Bewegung Identitären gesehen, und mehrere Mistgabel-Attrappen - offenbar hat Frau Festerlings unsägliche Mistgabel-Rede ihre Wirkung nicht verfehlt. Noch sind es nur Attrappen... Es wird nicht mehr lange dauern, bis wir von Gewalt nicht allein gegen Flüchtlingsunterkünfte, sondern auch gegen Politiker und Journalisten lesen - und zwar mehr als nur Ohrfeigen. Die AfD und Pegida bilden ein Dreamteam, auch wenn die AfD das derzeit (offiziell?) noch von sich weist. Aber eine Partei, die sich Menschen wie Gauland und Höcke und von Storch in Führungspositionen leistet, ist meines Erachtens rechtsextrem. Letztlich ist die "Ausladung" der AfD durch den SWR richtig - den Rechten keine Bühne bieten. Dass einige (mutmaßlich Linksextreme) meinen, dass Autos anzünden und eine Rauchbombe werfen irgendeinen Sinn macht, macht es nicht besser. Leider hat man kaum eine Wahl, wenn man sich gegen PEGIDA auf die Straße stellen will, als sich mit diesen Idioten auf den Postplatz zu stellen.
ein anderer Stefan on Jan 26 2016

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