KAPITÄN SCHWANDT: Tag der nationalen Schande

Die AfD sucht die Nähe zu den Rechtspopulisten anderer Länder, zur französischen „Front National“ der Marie Le Pen und der unsäglichen FPÖ in Österreich. Vor zwei Jahren noch war der NRW-Landesvorsitzende Marcus Pretzell abgemahnt worden, weil er an einer Veranstaltung teilnahm, auf der ein Vertreter der rechten Ukip aus England sprach. „Damit wollen wir nichts zu tun haben“, sagte Partei-Gründer Bernd Lucke damals.

Heute tritt Beatrix von Storch im Europaparlament einer Fraktion bei, der genau diese Ukip angehört. Und von Alexander Gauland (der trotz einer inzwischen millionenfachen Verbreitung im Netz noch immer nicht auf meinen Offenen Brief reagiert hat) sagt nach einem Treffen mit Vertretern der FPÖ lapidar: „Das Verhältnis hat sich entkrampft“.

Diese Partei bewegt sich ganz unverkrampft an den äußersten rechten Rand des politischen Spektrums. Wie sie im Alltag agitiert, mit Übertreibungen und Lügen, zeigt sich mal wieder am Beispiel Sachsen. „100 Tage Köln“ ist eine aktuelle Pressemitteilung überschrieben, als gelte es, die Vorfälle der Sylvester-Nacht zu feiern.

Schwandt Höche schwarz rot gold

Wörtlich heißt es:

„Bereits seit ihrer Gründung 2013 ist es das erklärte Ziel der Alternative für Deutschland, Recht und Ordnung wieder herzustellen. Die Krawalle in Köln vor 100 Tagen und das Polizeiversagen dort dürfen sich in Sachsen nie abspielen. Dennoch gibt es auch in sächsischen Großstädten Anzeichen für öffentliche Drogenszenen, Gewalt, Vergewaltigungen und Belästigungen, vorrangig begangen durch Migranten. Das ist die Wahrheit, auch wenn einige linksrotgrüne Politiker wieder das Beschreiben der Realität als Rassismus bezeichnen.“

Recht und Ordnung, klar.

Wahrheit? So groß wie jene, als Frauke Petry von “No-Go-Areas” in Bergkamen fabulierte, dem Chicago Westfalens. Nur wußte in Bergkamen niemand etwas davon.

Der Polizeichef von Chemnitz, Uwe Reißmann, sagt in einem Interview mit der Freien Presse, dass die Kriminalitätszahlen nicht gestiegen sind. Es gäbe eine „Momentaufnahme im Januar“ von Gewaltdelikten nicht-deutscher Täter im Stadtzentrum. Dies habe man inzwischen im Griff. „Den Hauptteil aller Straftaten verursachen immer noch die Deutschen, und man darf auch nicht vergessen, dass zur Gruppe der nichtdeutschen Verdächtigen nicht nur Asylbewerber, sondern auch andere Ausländer zählen.“ Sein Fazit: „Chemnitz ist eine sichere Stadt, das ist überhaupt keine Frage.“

Unter Verdacht, ein ausgesprochener Vertreter für die Rechte von Flüchtlingen zu sein, dürfte Uwe Reißmann nicht stehen. Er sorgte für die umstrittenen Äußerungen, die das rüde Vorgehen der Beamte im Bus von Clausnitz rechtfertigten.

Die AfD übertreibt. Sie schürt Ängste. Sie lügt. Sie ist eine Partei mit einer undemokratischen Gesinnung.  Ich empfehle den Anhängern der AfD, nicht an Köln zu denken, sondern einen Tag des Erinnerns an Heidenau, Clausnitz und Bautzen einzuführen. Zum steten Gedenken an rechtsfreie Zonen. Einen Namen dafür hätte ich schon: den Tag der nationalen Schande.

 

Jürgen Schwandt, Jahrgang 1936, wuchs in Sankt Georg auf. Er fuhr jahrzehntelang zur See und lebt heute in Hamburg. In dieser Woche (14/4) erscheint seine Biogaphie „Sturmwarnung“.

 

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