KAPITÄN SCHWANDT: Es sind Tage der Gewalt

Es ist ein trauriger Tag der Gewalt, und dies nicht nur wegen des Terror-Anschlags in Nizza. Wieder schlägt die Stunde der Scharfmacher, die den feigen Anschlag für ihre Zwecke nutzen wollen. „Wo bleibt die Wut?“, fragt AfD-Politiker Pretzell. Was möchte er denn tun? Glaubensgemeinschaften gegeneinander aufhetzen? Worin liegt die Lösung?

Ich bin heute auch entsetzt darüber, was sich auf meiner eigenen Facebook-Seite abspielt, seit ich klar gestellt habe, dass Gewalt in der politischen Auseinandersetzung auf das Schärfste zu verurteilen ist und niemals eine Option sein kann. Egal, ob von extrem links oder extrem rechts. Mehr als 120 verletzte Polizisten in der Rigaer Straße von Berlin sind aus meiner Sicht traurig. Es geht mir um den Grundsatz, nicht um den Einzelfall. In diesem Einzelfall hat ein Gericht die Aktion der Polizei als rechtswidrig eingestuft. Dies zeigt, dass der Rechtsstaat und das Prinzip der Gewaltenteilung funktionieren.

Gewalt gegen Polizeibeamte rechtfertigt dieses Urteil in keinster Weise!

22.06. 2016 Finnline, Kapitän Jürgen Schwankt während der Überfahrt von Trelleborg nach Helsinki

Wir alle sind der Staat. Die Politiker, die wir gewählt haben. Die Polizisten, die Einhaltung unserer Gesetze überwachen. Wir leben in einer Demokratie und wir können Dinge verändern. In Diskussionen, mit Worten, mit friedlichen Mitteln. Jegliche Gewalt, ob von Links oder Rechts, führt ins Chaos. Das Gewaltmonopol liegt beim Staat und dort muß es bleiben. Denken wir das doch einmal zu Ende. Wenn jede Gruppierung das Recht auf Gewalt für sich in Anspruch nimmt – wo führt das hin? Hehen demnächst die Altenpfleger mit Kalaschnikows auf die Straße, um ihren (berechtigten) Forderungen nach angemessenem Lohn durchzusetzen?

Hetze gegen die Polizei muss aufhören

Auch die Hetze gegen die Polizei kann ich nicht mehr hören. Polizisten werden zu Prügelknaben der Nation. Agieren sie zu massiv, stehen sie am Pranger. Agieren sie passiv, werden sie kritisiert. „Nur, weil einer eine Uniform trägt, darf er meine Rechte nicht einschränken“, schreibt eine junge Frau auf Facebook. Es ist diese Mischung aus Ahnungslosigkeit und Respektlosigkeit, die mich ratlos macht.

Der Polizeibeamte trägt nicht nur eine Uniform. Er ist auf seine charakterliche Eignung überprüft, hat eine gründliche Ausbildung erhalten und ist auf die freiheitliche, demokratische Grundordnung vereidigt. Dass einige Facebook-Kommentatoren Parallelen mit 1933 ziehen und sich als Widerstandskämpfer gerieren, macht mich fassunglos. Überhaupt: Was ich an Beschimpfungen höre („seniler, alter Sack, geh’ sterben!)“, erinnert mich inhaltlich an manches, was ich in den vergangenen Monaten von Rechtsextremen erfahren habe. Die Worte ähneln sich. Die Agressivität auch.

Die Extremen pöbeln – ihre Worte ähneln sich.

Die Gewaltverherrlicher, die Autos anzünden, stecken die Wagen von Normalverdienern in Brand. Von Krankenschwestern, Angestellten und Handwerkern. Kommen sich ganz großartig vor und schlagen nebenbei noch die Fensterscheiben kleiner Geschäfte ein. Gerät ihr Auto in Brand, sind sie die Ersten, die nach der Polizei schreien.

Noch einmal: Gewalt, egal von welcher Gruppierung, ob von links oder rechts, verurteile ich aufs Schärfste. Dies ist ein Grundsatz, eine Mindestanforderung an jede Diskussion. Wer dies nicht teilt, hat auf meiner Seite nichts zu suchen – und ich werde jeden blocken lassen, der Gewalt verherrlicht und legitimiert. Ich dachte kurz darüber nach, meine Facebook-Seite zu schließen.

Diesen Gefallen habe ich den Rechten nicht getan – und ich werde ihn auch nicht den extremen Linken tun.

 

JÜRGEN SCHWANDT, JAHRGANG 1936, WUCHS IN SANKT GEORG AUF. ER FUHR JAHRZEHNTELANG ZUR SEE UND LEBT HEUTE IN HAMBURG. GERADE ERSCHIEN SEINE BIOGRAPHIE „STURMWARNUNG“.

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