KAPITÄN SCHWANDT: Trump und die Hetzer der AfD

Zuerst dachte ich wie die meisten über Donald Trump, den Milliardär und Immobilien-Magnaten, der Präsident der USA werden will. Ich hielt ihn für ein sprechendes Toupet. Ich dachte, er sei ein vulgärer Kasper, der bald wieder verschwindet, weil er sich selbst demontiert. Doch er blieb, und die Zustimmung für ihn nahm zu, egal, wie sehr er sich daneben benahm.

Er beschimpfte Latinos pauschal als Vergewaltiger und Diebe. Er unterstellte einer angesehenen Fernseh-Kommentatorin, deren Fragen ihm nicht gefielen, dass sie menstruiere. Er beleidigte einen Senator, der als im Vietnam-Krieg Gefangener des Vietcong gewesen war, als Feigling. Er nannte die Politik von Angela Merkel „geisteskrank“. Er will eine Mauer zu Mexiko bauen, macht Witze über Behinderte, fordert Einreiseverbote für Muslime und bricht so ziemlich jede Regel des Anstands.

Ich lache nicht mehr über Donald Trump. Er macht mir Sorge.

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Wie es derzeit aussieht, wird er der Kandidat der Republikaner und hat gute Chancen, Präsident zu werden. Wie konnte dies passieren? Trump ist das Ergebnis einer neuen Welt der Sozialen Medien, ein Demagoge des neuen Jahrtausends. Geschickt hat er es verstanden, mit provokanten Tiraden die Aufmerksamkeit der Massenmedien auf sich zu ziehen – und in den sozialen Netzwerken Millionen Anhänger mobilisiert. Selbst in Debatten, in denen er schlecht da stand, gewann er am Ende, weil es nur um ihn ging. Erinnert mich daran, wie es früher an Bord zuging: Schaumschläger und Blender waren schnell erkannt und wurden zum Schweigen gebracht.

Trump und AfD: ähnliche Muster

Hierzulande versucht die AfD, im Stile von Trump zu punkten. Einige Aussagen Trumps – zur Abschiebung von Ausländern, zur Haltung gegen Homosexuelle, zur Rolle der Frau – könnten auch von Gauland und Konsorten stammen. Ein Weltbild, das auf einem Gesellschaftsmodel mit einer starken „Führung“ beruht, verfolgen beide. Und es gibt noch eine Parallele: wenig Substanz. Trump ist es gelungen, mit einfachen Parolen davon abzulenken, dass er zu schwierigen Fragen kaum etwas zu bieten hat. „Make America great again“, ja, gut, aber wie?

Die letzte Supermacht der Erde führt man nicht wie einen Golf-Klub. Im Falle der AfD fällt die Beschäftigung mit Inhalten noch deprimierender aus: Bekommt diese „Partei“ mit ihren schlichten Parolen Einfluss, ist der Wohlstand in unserem Land – der auch auf offenen Grenzen und dem Prinzip der Freiheit des Einzelnen beruht – in ernster Gefahr. Sich bei Problemen, die nur gemeinsam gelöst werden können, einigeln zu wollen, funktioniert nur im Kindergarten.

Jürgen Schwandt, Jahrgang 1936, wuchs in Sankt Georg auf. Er fuhr jahrzehntelang zur See und lebt heute in Hamburg. In wenigen Wochen erscheint bei Ankerherz seine Biographie “Sturmwarnung”.

Den Kapuzenpullover Seemann gibt es nur hier im Ankerherz Shop. Auch im ehrlichsten Kochbuch der Welt, “Kombüsengold”, ist Kapitän Schwandt mit einer Geschichte vertreten.

3 comments

Als Obama vor 8 Jahren Kandidat war, hat er alle Wähler weggefischt, die bei Bush das Soziale vermisst hatten. Was hat er getan: So gut wie nichts! Immerhin hat er das Kunststück fertiggebracht als Friedensnobelträger zum Drohnen- Massenmörder zu werden. Trump sammelt jetzt einfach alle ein, die der Protest gegen Obama und "Corporate Washington" eint. Einmal waren es die "Erniedrigten und Beleidigten" von Links, jetzt sind es die von Rechts. Alles ein übles Schmierentheater, inszeniert von den wirklich Mächtigen im Hintergrund! Bei der AfD wird versucht, dasselbe durchzuziehen wie mit der LINKEN. Die echten Systemkritiker werden ausgegrenzt (KPD usw., man lese www.rotefahne.eu) und der Rest ist dann bundestagstauglich, sprich eingemeindet. Zwischen echter linker und rechter Systemkritik gibt es eine untergründige Verbindung, da man ja fast die gleichen Feinde hat: Das Großkapital! Rechts kommt man aber deutlicher zur Sache, da man verstanden hat, dass die Globalisierung einem Angriff auf den historisch gewachsenen Nationalstaat gleichkommt, der zwar unvollkommen ist, derzeit aber noch den besten bürgerlichen Schutz des Einzelnen vor Willkür und Gewaltherrschaft gewährleistet. Sozialismus und Kulturmarxismus (jeder ist ja irgendwie links, sogar die Kabarettisten) kranken an einem ideologischen Konstruktionsfehler, den schon Karl Marx bewusst (!) eingebaut hatte: Über der Ebene der Fabrikanten/Unternehmer und der Finanzwelt der Kapitalgesellschaften befindet sich eine Stufe höher die wahre Macht: Die Kontrolleure des Geldes, der Währungen und der Zentralbanken. Wenn bei einem Monopoly-Spiel einer der Mitspieler sein Geld selbst herstellen kann, so ist doch wohl sonnenklar, wem am Ende alles gehört! Das hat Karl Marx so gut wie ausgeblendet: Die Funktionsweise des Geldsystems. Da liegt der Hund begraben! Sozial, liberal, national und ökologisch sind für sich gesehen gute Begriffe, die alle in einen ausgewogenen Ordnungsrahmen einer Bürgergesellschaft gehören, der für zwischenmenschlichen Fortschritt notwendig ist.( Ansonsten herrscht das Recht des Stärkeren- Anarchie oder Diktatur) Um diesen Rahmen verbunden mit einem gerechten Geldsystem zu verhindern, haben die - zu enteignenden- Milliardäre mithilfe ihrer Denkfabriken und Stiftungen aus diesen Worten mörderische Ideologien gemacht!
Fredrik Börges on Mrz 13 2016
Demagogen in Reinkultur - einfach widerlich und unfaßbar, daß ausgerechnet mit so billiger Phrasendrescherei hierzulande erneut gepunktet werden kann. Ein Armutszeugnis par execellence. Umso wichtiger, daß mehr Widerstand sich sammelt. In sofern, klasse Beitrag Käpr'n Schwandt !!!
Lotar Martin Kamm on Mrz 05 2016
Auch wenn diese Typen einem noch so lächerlich erscheinen, es gibt immer Doofe und Bösartige, die ihnen nachlaufen. Daher ist es so wichtig, ihnen immer wieder die Masken herunter zu reißen. Danke, Käptn', dass Sie dies in aller Deutlichkeit und Klarheit tun.
Moose Arella on Mrz 05 2016

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