KAPITÄN SCHWANDT: Vier Brüder aus Damaskus

 

In Hamburg gehen die Zelte aus, um Flüchtlinge in Notunterkünfte unterzubringen. Im Westen der Stadt spielen sich hässliche Szenen ab, weil aufgebrachte Anwohner vor einer Unterkunft protestieren. Bilder, für die sich jeder echte Hanseat schämt. Und was machen zwei Senatoren der Grünen in ihrer ersten großen Maßnahme im Amt? Sie weihen für viele Kameras eine „Vielfalts-“ bzw. eine „Homo“-Ampel in der Innenstadt ein! Manchmal glaube ich, man muss Herz und Hirn an der Rathaustür abgeben, um in diesem Panoptikum mitwirken zu dürfen.

Ich erinnere mich besser, als es mir lieb ist, an meine eigene Flucht im Krieg. Man hatte meine Mutter, meine Geschwister und mich wegen der Bomben auf Sankt Georg in ein Dorf in Bayern gebracht, und kurz, bevor die Amerikaner den Sektor an die Russen übergaben, liefen wir davon. Ich war acht Jahre alt, doch diese Wochen haben sich in mein Gedächtnis gebrannt. Mein Mitgefühl gilt Allen, die vor Kriegen flüchten. Es ist unsere verdammte Pflicht, ihnen zu helfen.

Kapitän Schwandt und die Jungs

Am Rande von Hamburg – den genauen Ort möchte ich nicht nennen, um die Jungs zu schützen – traf ich vier Brüder. Munzet (28), Mean (22), Mohanad (20) und Mohammad (15) haben es aus Damaskus zu uns in den Norden geschafft. Ihre Familie hatte Angst, dass sie zwangsweise von der Armee zum Kampf gegen Rebellen und ISIS rekrutiert werden, und kratzte alle Ersparnisse zusammen. 15.000 Euro bezahlte man den Schleuser, die sie durch die Gefechte und unter dem Heulen von Kampfjets über die Grenze der Türkei transportierten. Von dort fuhren sie in einem Schlauchboot, das Luft verlor, mit mehr als 40 anderen über das Mittelmeer nach Griechenland. Die letzten hundert Meter halfen sie Frauen und Kindern, die um ihr Leben schwammen.

Ihr Traum: ein normales Leben

In Mazedonien wurden sie von der Polizei verprügelt, in Serbien lebten sie eine Zeit lang in einem Versteck im Wald. Fünf Monate dauerte ihre Reise insgesamt. „Wir sind hier freundlich aufgenommen worden“, erzählte mir Munzet, der Älteste, ein Koch. Trotzdem ist die Lage schwierig: Er vermisst seine Frau und sein Baby, der Jüngste Bruder, Mohammad, denkt oft an die Mutter. Ich habe im Gespräch eine Mischung aus Hoffnung, Sorge und Heimweh gespürt. Wir unterhielten uns auf Englisch und auf Deutsch, weil die Jungs jeden Tag lernen. Es sind gebildete junge Männer, höflich, zwei von ihnen studierten, als der Bürgerkrieg ausbrach. Ihr Traum: Ihre Familie wieder zu sehen. Ein normales Leben. „Ich möchte so gerne arbeiten“, sagte Munzet. Wir haben ausgemacht, dass wir in Kontakt bleiben. Ich will sehen, ob und wie ich ihnen helfen kann.

Jürgen Schwandt, Jahrgang 1936, wuchs in Sankt Georg auf. Er fuhr jahrzehntelang zur See und lebt heute in Hamburg.

 

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3 comments

Bravo! Ein Vordbild für alle!
Larry Brown on Mrz 17 2016
Was soll ich da sagen? Ich kümmere mich seit November 2014 um Flüchtlinge. Zunächst anonym in der Kleiderkammer, aber schon 2 Monate später auch persönlich. Seit März 2015 habe ich einen jungen Syrer unter meine Fittiche genommen. Seit Februar 2016 haben wir ihn in einer deutschen WG untergebracht - bei mir um die Ecke. Und er ist glücklich, daß er in der Nähe seiner "Omi", wie er mich liebevoll nennt, ist. Von Anfang an habe ich gesagt, wenn nur jeder 3. oder 4. Deutsche sich um einen Flüchtling kümmern würde, dann wäre die Integration bald geschafft. Natürlich hat Abd ( das ist sein Name) noch mit psychischen Problemen zu kämpfen, aber mit Hilfe von Freunden und auch Ärzten versuchen wir, ihm zu helfen und eine Perspektive zu geben.
Ankatrin Bär Bel Grundke on Mrz 17 2016
immer wieder gut von Ihnen zu lesen, Captain. Es ist so einfach, mit den Menschen zu sprechen. VIele vergessen, wie gut es uns hier geht. Danke für den Bericht.
Heiner Toenne on Mrz 17 2016

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