KAPITÄN SCHWANDT: Waschmaschine

Unsere neue Waschmaschine wurde in dieser Woche geliefert. Als ich in der Betriebsanleitung blätterte, für die man ein Voll-Diplom in Raketentechnologie benötigt, dachte ich an Früher. Meine Waschmaschine hatte damals zwei Hände und am Waschtag garantiert schlechte Laune. Oma Emma, sonst eine gutherzige Frau, mochte es gar nicht, den Kohleherd anzuzünden und den großen, verzinkten Waschkessel aufzusetzen. Sie kochte die Klamotten im wahrsten Sinne, erst Weißes Zeug, dann Buntes, ganz zum Schluss die fiesen Socken, und in der Küche hing dichter Nebel. Als Kind faszinierte mich die Konsistenz diese Lauge. Als ich größer war, traute ich mich, Oma zu fragen, ob sie auch ihre Suppen daraus braute? Sie wurde mächtig böse.

Ich wurde Matrose und verließ Sankt Georg, und es begann die Zeit als Selbstversorger. Hatten wir ein Loch in den Socken, war das kein Problem, denn die Kunst des Stopfens beherrschte wir: Wir stopften alles aus dem Bullauge. Süßwasser gab es auf den Segelschiffen nur zum Kochen, und wir fragten bei Landgängen nach einem Eimer, um unsere dreckige Arbeitskleidung einzuweichen. Meist gab es dann aber wichtiger Dinge zu erledigen – Feiern, Frauen, Trinken, dann wieder von vorne – und so standen die Wäsche-Eimer in einer Ecke herum, bis sie einen unappetitlichen Anblick boten. Wurde es richtig schlimm, garnierten die Kollegen die Bio-Bombe mit Zwiebelringen und Lorbeer, als letzte Warnung, bevor sie alles über Bord kippten.

Der Rhein. Nicht rein

Als Leichtmatrose fuhr ich auf einem kleinen Küstentanker, ein ehemaliges Versorgungsschiff der Kriegsmarine. Wir transportierten Speiseöle, unter anderem Walöl, das wir direkt vom Mutterschiff der dänischen Walfangflotte im dänischen Esbjerg übernahmen. Damit fuhren wir über Rotterdam den Rhein hoch, bis zu einer Margarinefabrik nach Monheim, ein Städtchen kurz hinter Düsseldorf. Ein Matrose brachte mich auf eine grandiose Idee, wie wir uns das lästige Reinigen sparen konnten: Aktion „Rein durch den Rhein“! Ich band also meine Hose an einer Wurfleine fest und ließ sie achteraus durchs Wasser ziehen. Die Schraube wirbelte das Wasser auf, sah alles ganz richtig aus. Doch als ich die Hose abends wieder an Bord zog, gab es eine schmierige Überraschung: eine zentimeterdicke, übelriechende Fettschicht überzog den Stoff. Durch die anliegenden Raffinerien und Chemiefabriken war der Strom komplett verdreckt. Nun fiel mir auf, dass das Wasser in bunten Farben schimmerte, wie ein großer Malkasten. Von wegen Rhein. Es war ein großer, stinkender Abfluss.

Jürgen Schwandt, Jahrgang 1936, wuchs in Sankt Georg auf. Er fuhr jahrzehntelang zur See. Jeden Samstag erscheint seine Kolumne in der Hamburger Morgenpost.

 

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