Klimawandel und Langeoog: Der Appell des Bürgermeisters

Klimawandel und Langeoog

Der Klimawandel ist spätestens seit diesem Jahr kein Thema mehr, das nur abstrakt ist. Zuerst wochenlange Regenfälle, dann ein langer, ungewöhnlich heißer Sommer, gefolgt von einer  langen Trockenheit. Für viele Fachleute bereits deutliche Anzeigen, dass sich unser Klima wandelt. Um dieses Thema noch stärker ins Bewusstsein zu rufen, gab es nun einen Klima-Aktionstag von Langeoog, zu dem Fachleute auf die Nordseeinsel reisten.

Ein mutiger Schritt. Oftmals werden gerade in touristischen Regionen Problemthemen lieber ausgespart. Man möchte die Urlauber nicht mit solchen Dingen belästigen. Hintergrund: Die Langeooger Familie Recktenwald, die auf nachhaltige Art das Bio-Hotel “Strandeck” betreibt, gehört zu einer Gruppe von neun Klägern, die nun gegen die Europäische Aktion aktiv werden. Ihr Vorwurf: Es wird viel zu wenig gegen den Klimawandel getan.

Für eine kleine Insel wie Langeoog hat der Klimawandel womöglich katastrophale Folgen. Ein Anstieg des Meeresspiegels, starke Regenfälle und nicht zuletzt heftige Stürme bedrohen die Insel in ihrer Existenz. Wir werden noch ausführlicher über die Klage der Familie Recktenwald berichten, auch im Programm von Radio Ankerherz. Vorab aber hier Auszüge einer die Rede, die Bürgermeister Uwe Garrels zum Klima-Aktionstag hielt. Wir finden: Sie ist pointiert und bringt die Dinge auf den Punkt. (Symbolfoto: Ingo Gebhard)

Der Appell des Bürgermeisters von Langeoog

“Zu den Klägern gegen zu schwache Klimaziele der EU gehört auch die Langeooger Familie Recktenwald. Diese Klage hat ein enormes Medienecho in Deutschland gefunden. Es geht um Taten.

Die Bundesregierung hat hinzwischen Klimaziele formuliert und sich das Ziel gesetzt, den Ausstoß klimaschädlicher Emissionen in Deutschland bis  2020 um 40 % und bis 2030 um 55 % zu reduzieren. Die EU möchte bis 2020 20 % und bis 2030 40 % Reduktion erreichen.

Beide, die Bundesregierung und die EU, sind weit davon entfernt, die Zielvorgaben bis 2020 zu erreichen.

Klimaschutz? Das Kaninchen und die Schlange

Mit dem Klimaschutz ist es nach meinem derzeitigen Eindruck noch immer wie mit dem “Kaninchen und der Schlange”. Wir starren auf die alarmierenden Meldungen und sichtbar geschieht sehr wenig. Alle reden davon, aber klar erkennbar ist meiner Meinung nach nur der Fokus auf den Ausbau der Windenergie. Die Diskussion um den Hambacher Forst erscheint mir ebenfalls symptomatisch für diese Debatte.  RWE und die Kohlekumpel kämpfen um das Recht, die Braunkohle weiter abbauen zu dürfen, obwohl sie keiner sonst mehr will.

Es geht aber vor allem um den Auftrag, den Energieverbrauch pro Kopf zu senken. Davon sind wir in Deutschland weit entfernt. Für den Bereich der Gemeinde Langeoog kann ich sagen, diese Aufgabe erfordert erhebliche Investitionen in eine veraltete Infrastruktur. Mit der technischen und energetischen  Erneuerung des Freizeit- und Erlebnisbades und der Zusammenlegung von Bad und Kur- und Wellness-Center in ein einziges Gebäude mit einem sehr effektiven Energiemanagementsystem  ist für diesen Bereich ein erster wichtiger Schritt getan, aber weitere Schritte müssen folgen.

Was kann eine Insel tun?

Ein Beispiel ist der Mietwohnungsbau, der allein aus existenziellen Erwägungen heraus für Langeoog notwendig ist, der aber auch für klimafreundliche Wohnverhältnisse sorgen würde, wenn dann auch der übrige Wohnungsbestand der Kommune saniert gelänge. Die Gemeinde muss sich diese Investitionen, die sich ökologisch und ökonomisch rechnen werden, allerdings in der Finanzierung leisten können.

Der Gedanke an den Klimawandel beunruhigt die Menschen, das zugehörige Wetter nicht unbedingt. Was für ein toller Sommer sagen viele und ich sage dann bisweilen: Klimawandel macht doch Spaß, oder? Das ist sicher sarkastisch ausgedrückt und das Wetter eines Sommers sollte nicht mit Klima verwechselt werden. Die Schwierigkeit liegt auch hier darin, dass Klimawandel ein komplexes Phänomen ist und der Mensch ist leider sehr bequem.

Was mir nicht wehtut, löse ich später. Jetzt kaufe ich mir erstmal noch was Neues.”

 

Uwe Garrels, Bürgermeister von Langeoog (Foto: privat)

 

Zur Person: Uwe Garrels ist seit 2011 der parteilose Bürgermeister von Langeoog. Langeoog ist mit 1,5 Millionen Übernachtungen im Jahr die touristische Nummer vier an Niedersachsens Nordseeküste. Die Gemeinde betreibt eine Kurverwaltung und eine eigene Reederei. Sie ist mit knapp 180 Mitarbeitern im Sommer der größte Arbeitgeber auf Langeoog.

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