Kritik von allen Seiten: EU-Fangquoten für die Ostsee stehen fest

In der Nacht haben sich die Fischereiminister auf neue EU-Fangquoten für die westliche Ostsee geeinigt. Wegen der angegriffenen Bestände hatten viele Fischer Sorgen vor starken Einschnitten oder sogar Fangverboten. Nun gibt einen Kompromiss – und sofort Kritik von allen Seiten.

Die Entscheidung war an der Ostsee-Küste mit Spannung erwartet worden. Es wird Einschnitte geben, aber nicht ein generelles Fangverbot, was manche befürchtet hatten. Dies ist die Botschaft aus Brüssel, die vielen Fischern gewiss nicht gefallen wird, aber doch als ein Kompromiss aus aktueller Lage und möglicher Zukunft für die Fischbestände erscheint. Die Quoten werden deutlich gesenkt: Beim Hering verringert sich die Quote in der westlichen Ostsee um 65 Prozent. Beim Dorsch sind es 60 Prozent.

Gehen die Ostseefischer nun pleite?

In ersten Stellungnahmen kritisierten Fischereiverbände die Entscheidung. Michael Schütt, Vorsitzender der Freester Fischereigenossenschaft (Landkreis Vorpommern-Greifswald), warnte in einem Interview mit dem Radiosender NDR1 vor “drastischen Folgen”. 237 Fischer sind in Mecklenburg-Vorpommern von der neuen Quoten-Regelung betroffen. Alleine in Freest sollen fünf der 26 Fischer angekündigt haben, ihre Arbeit bis Ende des Jahres einzustellen. Der Deutsche Fischereiverband fürchtet, dass viele Betriebe die Kürzungen wirtschaftlich nicht verkraften werden. Hoffnungen auf eine “Abwrackprämie” des Bundes für ihre Kutter haben sich zerschlagen, weil sie nicht mit EU-Recht konform ist.

 

Auch Freizeit-Angler müssen sich einschränken. Sie dürfen in deutschen Gewässern fortan noch fünf Dorsche angeln (vorher waren es sieben). In einer Schonzeit während der Monate Februar und März sind nur zwei Fische erlaubt. Sprecher der Tourismusverbände fürchten, dass dies Angeltouristen abschrecken könnte.

Umweltschützer gehen EU-Fangquoten nicht weit genug

Umweltschutzverbände bezeichneten die neuen EU-Fangquoten als “nicht weitreichend genug”. Von einigen Wissenschaftlern war ein völliger Fangstopp in der Ostsee empfohlen worden, damit sich die Bestände erholen können. Ein Hauptgrund für die schwindende Population liegt nach Einschätzung von Experten wie dem Rostocker Thünen-Institut für Ostseefischerei im Klimawandel: Steigende Wassertemperaturen und eine sinkende Konzentration des Sauerstoffs im Wasser sorgen dafür, dass immer weniger Fischlarven überleben. Eine Sprecherin der Umweltschutzorganisation WWF sprach von einem “drohenden Kollaps” des System.

Hinweis: Die Fotos zu diesem Beitrag hat Oliver Meiske aufgenommen. HIER findet Ihr seine Fotoreportage von einem Ausflug mit Ostseefischern.

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