Langeoog: Die besondere Geschichte einer Seenotretter-Familie

Noch bevor es Seenotrettung in Deutschland offiziell gab, kümmerte sich schon eine Familie auf Langeoog um Menschen in Not. Die Geschichte der Familie Leiß ist so besonders. Sie handelt von Mut und Einsatz für andere. Auszug aus unserem neuen Inselbuch.

Um anderen Menschen zu helfen, riskieren Seenotretter manchmal das eigene Leben. Sie fahren raus in den Sturm, wenn andere Schiffe längst den sicheren Hafen angesteuert haben. Für Fischer, für Seeleute und Wassersportler vor der Küste und den Inseln sind Seenotretter eine Art Lebensversicherung. Trotz moderner Technik kann es eine gefährliche Aufgabe sein: Seit Gründung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) im Jahr 1865 sind 45 Männer beim Einsatz auf See geblieben.

Es gibt insgesamt knapp eintausend Seenotretter entlang der deutschen Nord- und Ostseeküste. Achthundert haben die Aufgabe ehrenamtlich übernommen. Sie üben im Alltag ganznormale Berufe aus, im Büro, in einer Werkstatt oder in der Kanzlei. Manchmal wird die Aufgabe in der Familie weitergegeben, von Generation zu Generation, von Vater zu Sohn. Eine solche Familie, deren Geschichte immer von Wind und Wellen bestimmt wurde, ist die Familie Leiß von der Insel Langeoog.

Die Geschichte der Familie Leiß von Langeoog

Ihr Engagement für Menschen in Seenot geht sogar in die Tage zurück, bevor es die DGzRS überhaupt gab. Deren Gründungstag ist der 29. Mai 1865. Seit 1861, also bereits vier Jahr vorher, war Johann Adam Leiß der erste Vormann der neu gegründeten Station Langeoog. Er wirkte bis 1872, dann übernahm sein jüngerer Bruder Frerk. Einige Jahre waren andere Insulaner als Vormänner tätig, dann war es wieder einer aus dem Klan, Otto Leiß, der von 1922 bis 1939 das Amt übernahm. 1973 stieg Heinrich Leiß auf dem Motorrettungsboot Langeoog ein.

Im Jahr 1985 würdigte die Organisation die Verdienste der Familie, in dem sie einen Seenotrettungskreuzer Vormann Leiss taufte. Als jüngster in der Historie übernahm dann Gerriet Leiß – Sohn von Heinrich Leiß – 2004 die Aufgabe für einige Jahre; heute ist der Teil der Stammcrew der Hermann Marwede, des Flaggschiffs der Seenotretter, stationiert auf Helgoland. Wie viele Menschen die Familie Leiß im Laufe der Jahrhunderte gerettet hat? Sie haben es nicht gezählt.

„Wenn draußen auf See etwas passiert, dachte ich, muss natürlich jemand rausfahren und helfen. Und das sind eben wir. Auch meinen Schulfreunden habe ich nie viel von meinem Hobby erzählt“, sagt Gerriet Leiß. „Prahlerei liegt mir nicht so.“

 

Diese Geschichte ist ein Auszug aus unserem neuen Buch “Inseln”, erschienen im Februar 2020. Das kleine Buch vom Meer gibt es überall im Handel und hier bei uns im Online-Buchladen.

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