Der Soul-König im Exil – Marvin Gaye in Ostende

Marvin Gaye in Ostende. Das klingt ein wenig wie Frank Sinatra in Buxtehude, ist aber eine wahre Geschichte. Der King of Soul lebte in der belgischen Hafenstadt an der Nordsee – und schrieb hier sogar seinen größten Hit. “Sexual Hering”, so nannte eine große Wochenzeitung diese Geschichte.

Es ist ein kalter, grauer Morgen im Winter 1981, als der König des Soul mit der Fähre in die Stadt kommt. Marvin Gaye, einer der berühmtesten Sänger seiner Zeit und eine Stimme des Motown, nimmt das Sealink-Schiff aus Dover. In Ostende, der grauen Stadt am Meer, die einst die „Königin der Seebäder“ genannt wurde, will er einen Neustart versuchen.

Ausgerechnet in dieser Stadt, die ihre besten Jahre ebenfalls hinter sich hat. Statt eleganter Bauten und dem mondänen Casino bestimmen Betonmonster und triste Hochhäuser das Bild. Man fragt sich, wie viel Hässlichkeit man an eine Uferpromenade bauen kann. Ostende aber passt zum Zustand des Soul-Sängers. Gaye, 40, ist hochverschuldet, kokainsüchtig, zum zweiten Mal geschieden und leidet an Depressionen. Nach einer missratenen Europa-Tournee ist er in London hängengeblieben.

Marvin Gaye in Ostende

Wie der Welt-Star nach Belgien kommt, ist eine moderne Legende. Der Konzertveranstalter Freddy Cousaert, ein Mann mit guten Verbindungen in die englische Soul-Szene, hatte Gaye kennengelernt und ihn eingeladen. “Zum Entgiften und zur Entspannung” bot er Gaye an, in sein Hotel einzuziehen. Was dann passiert, illustriert eine App namens „Midnight Love Digital Walk“, mit der man die Stationen dieses romantischen Musiker-Exils nacherleben kann.

Gaye findet Freunde in dieser harten Stadt. In einem Dokumentarfilm, der gedreht wird, sagt er: „Ich bin ein Waise, und Ostende ist mein Waisenhaus.“ Man sieht, wie er durch die Dünen joggt, wie er mit Freunden in einer Küche hockt, wie er eine Fischerkneipe betritt, in der viele volle und nicht mehr volle Biergläser herumstehen.

„Hallo, ich bin Marvin Gaye“, sagt er.

„Wo kommst Du denn her? Aus Paraguay?“, fragt der Fischer zurück.

Gaye zieht in ein Apartmenthaus an der Promenade, die „Residentie Jane“, wo er von einem Journalisten des „Rolling Stone“ interviewt wird. Dabei fällt der Begriff „Sexual healing“. Gaye meint, das klinge nach einem guten Titel für einen Song. In Ostende, in der „Residentie Jane“, entsteht dann der Welthit.

Die Geschichte hat leider kein Happyend. Zwar gelingt Gaye ein kurzzeitiges Comeback, doch schon bald haben ihn die Dämonen wieder. Sein eigener Vater erschießt ihn Anfang 1984 in einem Streit. Ein Gedenkstein erinnert heute an Marvin Gaye in Ostende.

 

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Ostende in Aufruhr: Jemand hat "Kakje" am Strand geklaut! on Jul 02 2019